Wein „im Eichenholzfass gereift“

Fragen zum Bezeichnungsrecht

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Reicht es bei inländischen Qualitätsweinen und Prädikatsweinen, die in Holzbehältnissen gegoren, ausgebaut oder gereift wurden, nur die Angabe „im Holzfass gereift“ zu verwenden? Carsten Wipfler, Arbeitsbereichsleiter Weinkontrolle Landesuntersuchungsamt Speyer, gibt Auskunft, welche weinrechtlichen Vorschriften zu beachten sind.
Eindeutig geregelt im europäischen Weinrecht
Ist es zulässig, bei einem in Holzfass gegorenen, ausgebauten oder gereifte Wein, auf dem Etikett die Angabe „im Holzfass gereift“ oder „ausgebaut“ zu verwenden?
Das europäische Weinrecht ist in Art. 53 Abs. 2 der delegierten Verordnung (EU) 2019/33 ganz eindeutig und streng geregelt: „Nur die in Anhang V aufgeführten Begriffe zur Angabe bestimmter Erzeugungsverfahren dürfen zur Beschreibung eines im Holzbehältnis gegorenen, ausgebauten oder gereiften Weinbauerzeugnisses mit geschützter Ursprungsbezeichnung oder geschützter geografischer Angabe oder mit einer geografischen Angabe eines Drittlands verwendet werden.
Die Mitgliedstaaten und Drittländer können jedoch andere, den in Anhang V für diese Weinbauerzeugnisse festgelegten Angaben begrifflich entsprechende Angaben vorsehen.“ Wie Carsten Wipfler weiter ausführt, hat die Bundesrepublik Deutschland von dieser Ermächtigung keinen Gebrauch gemacht, ganz im Gegenteil wird das strenge EU-Recht in § 32 Abs 8 Weinverordnung noch weiter eingeschränkt.
Während auf EU-Ebene Landweine (g.g.A.) noch einen Hinweis zum Holzfassausbau tragen dürfen, werden solche Angaben für deutsche Weine ausschließlich für Qualitäts- und Prädikatsweine zugelassen. Wie Wipfler erklärt, ist die Norm dringend anpassungsbedürftig, verweist sie doch auf die, zwar inhaltsgleiche aber zwischenzeitlich außer Kraft getretene Vorgängerverordnung (EU) Nr. 607/ 2009. Die angedachten Anpassungen von Weingesetz und Weinverordnung an das romanische Bezeichnungsrecht sehen an diesem Punkt bisher keine Änderung vor.
In Anhang V der delegierten Verordnung (EU) 2019/33 findet sich die unten stehende Tabelle.
Bezeichnung „im Holzfass gereift“ nicht erlaubt
Da die Angabe „im Holzfass gereift“ so nicht in der EU-Tabelle enthalten ist und für Deutschland keine begrifflich entsprechende Regelung getroffen wurde, darf diese Formulierung nicht verwendet werden, erläutert Wipfler. Durch den klaren Bezug auf die Fassform sind streng genommen auch Hinweise auf andere Holzbehältnisse, etwa in Würfel- oder auch Quaderform nicht zugelassen.
Welche Angaben sind zulässig?
Angaben zur Holzfassreife sind für deutsche Erzeugnisse nur bei Qualitäts- und Prädikatsweinen möglich. Es muss, mit Ausnahme des Barrique, immer die Holzart genannt werden oder auf den Begriff „Holz“ ganz verzichtet werden.
Korrekt ist nur die Angabe „im Eichenholzfass gereift“, „im Barrique gereift“ oder „im Fass gereift“.
Mindestens 75 % des Weines inklusive der Süßreserve müssen im Holzbehältnis gegoren, ausgebaut oder gereift sein. Die Dauer ist bei Rotwein auf mindestens sechs Monate und bei allen anderen Weinarten auf mindestens vier Monate festgelegt. Im Falle des Barriquefasses darf dieses nicht mehr als 350 Liter Fassungsvolumen haben.
Gerne wird in der Weinbaupraxis auch auf das Volumen des verwendeten Fasses hingewiesen, etwa: „Stück“, „Halbstück“, „Fuder“ oder „Tonneau“. Da es sich hier im Prinzip um ein Hohlmaß handelt, können diese Begriffe in der Weinetikettierung durchaus verwendet werden. Trotzdem kann die Formulierung „im Tonneau gereift“ nicht verwendet werden. Korrekt lautet die Formulierung „im Eichenholzfass gereift“ und zusätzlich kann dann noch die Information zum Hohlmaß „Tonneau“ gegeben werden.
Rudolf Litty, Freimersheim