Das Netzwerk Vinissima Frauen & Wein e.V. hat eine digitale Awareness-Stelle eingerichtet. Hier können sich Frauen aus der Weinbranche und Gastronomie melden, die übergriffiges Verhalten erleben. Vorangegangen war eine Umfrage unter den Weinfachfrauen, die Handlungsbedarf aufgezeigt hat.
Frauen aus der Weinbranche, von Winzerinnen über Wissenschaftlerinnen und Sommelièren bis zu Fachhändlerinnen sowie Frauen aus allen Bereichen der Gastronomie, die (sexuelle) Belästigung, Grenzverletzungen oder Machtmissbrauch erlebt haben oder erleben, finden ab sofort eine Anlaufstelle bei Vinissima Frauen & Wein. Neben Infos auf der Webseite können Betroffene unter hilfe@vinissima-ev.de vertraulich Unterstützung anfragen.
Rechtsanwältin und Vinissima Alexandra Sofia Wrobel bietet vertrauliche Erstgespräche an. Wrobel ist erfahren in der Beratung von Frauen, die Übergriffe erlebt haben. Keine Frau sollte aus Angst schweigen. Es gebe mehr Handlungsmöglichkeiten, als Betroffene oft glauben. „Mein Ziel ist es, Frauen Mut zu machen, diese Möglichkeiten zu erkennen und den ersten Schritt zu gehen“, erklärt Wrobel.
„Vinissima bietet Frauen aus allen Bereichen der Branche einen geschützten Anlaufpunkt", erklärt Trixi Bannert, erste Vorsitzende des Vereins. Das Angebot gelte explizit auch für Frauen, die nicht Mitglied bei Vinissima sind.
Umfrage machte Handlungsbedarf sichtbar
„Seit 2024 beschäftigen wir uns als Verein intensiv mit dem Thema #MeToo in unserer Branche“, berichtet Bannert.
Der Verein hatte im Sommer 2024 eine Umfrage unter den Mitgliedern gemacht, an der sich fast 200 Frauen beteiligt haben. Darin berichteten 36 % der Frauen, selbst mindestens einmal Opfer sexualisierter Gewalt in der Branche gewesen zu sein. Bei den 18- bis 29-Jährigen waren es mit 58 % sogar mehr als die Hälfte der Befragten. Die junge Altersgruppe sieht auch den größten Handlungsbedarf bei dem Thema.
„Besonders berührt haben uns Erzählungen einzelner Fälle, die Frauen aus unserem Netzwerk erlebt haben. Gleichzeitig haben wir auch immer wieder gelesen, dass diese Frauen keine Anlaufstelle hatten, wo sie das Erlebte hätten teilen können.“ Darum sei die neue Awareness-Stelle wichtig.
Frauen sollen gestärkt werden
Nach der Umfrage hat das Netzwerk Workshops veranstaltet, in denen es verschiedene Themen in den Blick genommen hat – von Übergriffen in der Gastronomie über juristische Themen bis hin zur Frage, welche Rolle Frauen auf einem Weingut einnehmen.
Grenzverletzungen beginnen nicht erst bei körperlichen Übergriffen. Auch das wiederholte Infragestellen der Kompetenz aufgrund des Geschlechts oder unerwünschte Nachrichten und Fotos können übergriffig und strafrechtlich relevant sein.
„Frauen dürfen ihrem Gefühl vertrauen und Grenzen haben“, ergänzt Bannert. Gleichzeitig möchte das Netzwerk Frauen darin stärken, darüber zu sprechen, wenn ihnen Unrecht geschieht. Vinissima