Blick nach vorn

MOSEL

Unter dem Motto „Blick nach vorn“ fanden Mitte Januar die diesjährigen Moselweinbautage in Wittlich statt. Der Fokus lag klar auf den momentan viel diskutierten Problemen und Herausforderungen des Weinbaus.
Einen gut besuchten Themenblock stellte die Weinbaupolitik am Mittwoch dar. Nach der Eröffnung durch den Leiter des DLR Mosel, Norbert Müller, kam zunächst die rheinland-­pfälzische Weinbauministerin Daniela Schmitt zu Wort (mehr dazu auf Seite 11). Weinbaupräsident Walter Clüsserath präsentierte seinen jährlichen weinbaupolitischen Standpunkt, bei dem er einen Blick auf diverse Probleme des deutschen Weinbaus warf.
Steillagen als essenzielles Alleinstellungsmerkmal
Interessant wurde es bei der anschließenden Podiumsdiskussion: Neben dem Geschäftsführer des Weinbauverbands Mosel, Dr. Maximilian ­Hendgen, als Moderator nahmen Ministerin Daniela Schmitt, Andreas Hackethal (Landrat Bernkastel-­Wittlich), Albrecht Ehses (IHK Trier), Gereon Haumann (Präsident DEHOGA Rheinland-­Pfalz) und Weinbaupräsident Walter Clüsserath auf der Bühne Platz. Sie beschäftigten sich mit Fragen zum Thema: Was ist die Weinkulturlandschaft Mosel wert?
Albrecht Ehses hob bei seiner Frage nach der Rolle der Steillagen beim Tourismus hervor, dass die Weinkulturlandschaft Mosel für die Besucher ein essenzielles Alleinstellungsmerkmal sei. Nach einer staatlichen Untersuchung 2023 wurden an der Mosel inklusive der Städte Trier und Koblenz 900 Mio. Euro mit dem Tourismus und davon 420 Mio. Euro speziell mit dem Weintourismus umgesetzt. Er hob hervor, wie wichtig die Erhaltung der Steillagen auch weiterhin sei, um den Wanderern und Radfahrern das gewünschte Umfeld für ihre Aufenthalte zu bieten.
Auch Andreas Hackethal hob die Wichtigkeit der Steillagen hervor, welche er auch als ökologisch wertvoll bezeichnete. Er sprach sich für mehr regionale Wertschöpfung der Betriebe aus, die durch ihre Arbeit für diese intakte Landschaft sorgen. Er betonte ebenfalls das erhebliche Potenzial für den Tourismus und wies auf die über 5 Mio. Übernachtungen hin, die nur durch den Weinbau in Verbindung mit den Steillagen möglich seien.
Ministerin Daniela Schmitt sah sich in der weinbaupolitischen Verantwortung, die Landschaft so gut wie möglich zu erhalten. Sie gab an, in der Zukunft die Maßnahmen bündeln zu wollen, um den Weinbau in der Region weiterhin zu stärken. Vom Land würden dazu schon jetzt immerhin 50 Mio. Euro jährlich zur Verfügung gestellt.
Erlebnisse schaffen
Gereon Haumann antwortete auf die Frage nach einer besseren Zusammenarbeit von Weinbau und Gastronomie, dass durch eine bessere Verzahnung die Erzeugnisse der Betriebe mehr in den Vordergrund gestellt werden könnten. Er riet den Weinerzeugern, Erlebnisse beim Kunden zu schaffen, wodurch der Preis für ein Produkt – der Psychologie geschuldet – in den Hintergrund treten würde.
Die nächste Frage richtete sich an Albrecht Ehses: Sollten auf dem Etikett mehr Begriffe wie Steillage oder Handlese zu finden sein, um die Herkunft der Weine noch deutlicher zu machen? Ehses vertrat den Standpunkt, nicht noch mehr Bezeichnungen und Regeln zu schaffen, sondern stattdessen mit Bildern und Emotionen zu arbeiten. Nach seiner Meinung hätten die Winzer die einmalige Chance, ihre Arbeit und auch Freizeit werbewirksam durch die Medien nach außen zu transportieren.
Auf die Frage nach einer gerechteren Entlohnung für Steillagenwinzer forderte Andreas Hackethal einfachere Förderungen und Verlässlichkeit seitens der Politik. Es sei für die Betriebe wichtig, nicht ständig mit neuen Verordnungen überfordert zu werden. Er plädierte für mehr Vertrauen statt Kon­trollen, weg von nur noch Verwaltung und hin zum Bürokratieabbau.
Bei der Frage nach dem Steillagenweinbau im Jahr 2040, gab es unterschiedliche Meinungen. Während Andreas ­Hackethal und Albrecht Ehses bei ihren Antworten eher realistisch blieben, hatten Daniela Schmitt und Gereon Haumann optimistische Prognosen. In Haumanns Vorstellung arbeiten Winzer und Gastronomen in der Zukunft so gut und eng Hand in Hand zusammen, dass es auf den Karten der Betriebe keinerlei ausländische Weine mehr gebe. Schmitt sieht die Mosel im Jahr 2040 so gut aufgestellt, dass die noch vorhandenen Steillagen im Tourismus noch gefragter seien und der Ausschank nur noch einheimischer Weine zwischen Erzeugern und Gastro vertraglich geregelt wäre. ser