Dem Nachbarn über die Schulter geschaut

SCHWEIZ

Weinbauer Bruno Gasser referierte beim jährlichen Weiterbildungsmorgen der Schaffhauser Winzer und Einkellerer über die Feldversuche, die im letzten Herbst bezüglich der Bekämpfung der Kirschessigfliege durchgeführt und von der Forschungsstation Agroscope begleitet wurden. Es wurden Versuche mit Löschkalk, Kaolin und den Insektiziden Audienz, Gazelle und Minecto One gemacht, wobei alle Ergebnisse nicht zufriedenstellend ausgefallen sind. Als Ergänzung wurde das Kombi-Verfahren getestet, das in der deutschen Nachbargemeinde Erzingen seit zehn Jahren mit großem Erfolg umgesetzt wird. Dabei wird punktuell die Futterködermelasse Kombi-Protec ausgelegt, die pro Hektar mit 5 ml Audienz angereichert wird.
„Am wenigsten Schäden sind dort aufgetreten, wo das Kombi-Verfahren eingesetzt wurde“, sagte Gasser und erklärte, dass die ausgebrachte Melasse wie eine Falle wirke, weil das Insektizid oral aufgenommen werde und die meisten Fliegen sterben würden, bevor es zur Einstichphase komme. „Unsere wichtigste Erkenntnis war, dass wir zu spät mit der Behandlung angefangen haben“, sagte Gasser. Wenn beim Farbumschlag mit dem Kombi-Verfahren begonnen würde, entstünden weniger Populationen und der Druck bliebe konstant tief.
Katie Mackie-Haas vom Weinbauzentrum Agroscope in ­Wädenswil gab zu bedenken, dass es in dem niederschlagsreichen Jahr 2025 im Kanton Schaffhausen bereits Fäulnis gab, ehe die Kirschessigfliege vorhanden war und die Schäden nicht ausschließlich auf diesen Schädling zurückzuführen seien. Sie betonte, dass Rebleute die Traubenzonen richtig entlauben und bei Neupflanzungen lockerbeerige Klone auswählen müssen. Ansonsten sollten die Rebstöcke in der grünbeerigen Phase durch Traubenteilung verdünnt werden, um das Fäulnisrisiko zu verringern und eine bessere Luftzirkulation zu erreichen. Thomas Güntert