Extreme Bedingungen, starke Qualitäten

PFALZ

Foto: Pfalz-Touristik/Dominik Ketz
Vertreter der Pfälzer Weinwirtschaft informierten bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Deidesheim über die diesjährige Weinlese, Weinwerbe-Aktivitäten und Entwicklungen am Markt. Die Pfalzwein e.V., die Gebietsweinwerbung der Pfalz, blickte auf den Weinjahrgang 2026 zurück, der geprägt war vom trockenen Sommer und einer frühen Lese, bereits im August. Mit 22 Tagen über 35 °C war es zugleich das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Trauben zeigten sich während der Lese in sehr gesundem Zustand.
Schätzungen gehen von 15 % weniger Erntemenge im Vergleich zu den Vorjahren aus. Weinfreunde dürfen sich auf charaktervolle 26er Weine mit Eleganz und Trinkfluss freuen. Rotweine profitierten von der Konzentration in den kleineren Beeren und zeigen ausgeprägte sortentypische Aromatik.
Den Wandel der Branche aktiv gestalten
Boris Kranz, erster Vorsitzender des Pfalzwein e.V., betonte, dass die Pfalz über viele gut aufgestellte Betriebe verfüge. Die Pfalz begegne dem Strukturwandel mit Innovationskraft und hoher Qualität. Das geschehe im Inland unter anderem durch eine LEH-Kampagne sowie einer intensiven Zusammenarbeit mit Multiplikatoren. Zudem möchte der Pfalzwein e.V. die Export-Aktivitäten stärken und nimmt den britischen Markt ins Visier. Dort möchte man den Fachhandel und die Gastronomie adressieren.
Laut Dr. Thomas Weihl, Leiter des Weinbauamts Neustadt, spiegelten die Anstellungen zur Qualitätsweinprüfung die Marktentwicklungen wider. Demnach bewege man sich auf dem Niveau des Vorjahres. Nach mehreren kleinen Ernten hintereinander analysierte er bei den Handelskellereien einen gewissen Einkaufsbedarf. Produktion und Nachfrage würden sich zaghaft annähern.
Weininteressierte geben mehr Geld aus
Joseph Greilinger, Geschäftsführer des Pfalzwein e.V., stellte Erkenntnisse aus einer Geisenheimer Studie von Prof. Dr. Gergely Szolnoki vor, um die Bedeutung des Weintourismus zu unterstreichen. Demnach kehrt rund jeder dritte Gast während seines Aufenthalts in ein Weingut ein. Das sei mehr als in den meisten vergleichbaren Weinregionen und zugleich einer der wichtigsten Befunde der Untersuchung, die auf Initiative von Pfalzwein e.V. entstanden ist. 332 Gäste wurden an „weinneutralen“ Orten befragt – also außerhalb von Weingütern und Veranstaltungen mit thematischem Bezug.
Weininteressierte geben mehr Geld aus. Die Studie unterscheidet drei Besuchergruppen. Für etwa ein Fünftel der Gäste war Wein der Reisegrund. Sie würden für 22 % des gesamten Tourismusumsatzes in der Pfalz sorgen, heißt es. Andere besuchen ein Weingut nebenbei, weil sich die Gelegenheit ergebe. Fast zwei Drittel hat während des gesamten Aufenthalts keinen Kontakt zu einem Weingut. Rund 80 % der Pfalz-Besucher sind Tagesgäste. Laut der Studie geben weinmotivierte Tagesausflügler mit gut 100 Euro pro Person und Tag rund 80 % mehr aus als Gäste ohne Weingutsbesuch. Der Unterschied entstehe durch den Wein, der gekauft und mitgenommen wird. Weintouristen würden zudem häufiger übernachten – im Schnitt drei Nächte. Die Pfalz lebt vom spontanen Besuch und verdient am Wein, den die Gäste mitnehmen, nicht am Verkostungsentgelt. Das hält die Schwelle niedrig, mache die Auslastung schwer planbar.
Gastronomie und neue Veranstaltungen stärken
Die Studie zeige, dass die Pfalz bei der Anzahl von besuchten Weingütern durch Weintouristen selbst im internationalen Vergleich – zu spanischen Weinrouten oder dem Napa Valley – stark abschneiden, erläuterte der Vorsitzende der Pfalzwein e.V.: „Darauf wollen wir aufbauen und mehr Gäste für weintouristische Angebote gewinnen.“ Gleichzeitig intensiviert die Pfalzwein ihre Arbeit mit zusätzlichen Aktionen im Lebensmitteleinzelhandel in Kooperation mit dem Deutschen Weininstitut und dem Land Rheinland-Pfalz, mit enger Zusammenarbeit mit Gastronomie, Fachhandel, Sommellerie, Handel, Medien und Social Media.
Verstärkte Exportaktivitäten der Betriebe, unterstützt durch die Pfälzer Weinwerbung, tragen erste Früchte, wie der Exportbericht der „Geisenheimer Absatzanalyse“ zeige.
In der Pfalz stehen gehobene Küche und Pfälzer Lebensart selbstverständlich nebeneinander. bs