Gute ärztliche Versorgung gesichert

Saisonarbeitskräfte

Die Arbeitgeber weisen Kritik an einer vermeintlich unzureichenden Krankenversicherung für ausländische Saisonbeschäftigte in der Landwirtschaft zurück. Aus Sicht der Geschäftsführerin des Gesamtverbandes der Deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände (GLFA), Nicole Spieß, sind Gruppenkrankenversicherungen, die die Betriebe in der Regel für ihre Saisonkräfte abschließen, eine günstige und passgenaue Lösung. Voller gesetzlicher Krankenversicherungsschutz sei nicht besser als Gruppenversicherungen, aber teurer.
Entgegen anderslautender Vorwürfe übernehmen Gruppenversicherungen die vollständigen Kosten für notwendige ärztliche ambulante und stationäre Behandlungen. Das gelte auch für medizinisch erforderliche Akutbehandlungen bestehender Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf- oder Diabetes. Spieß räumte ein, dass ein voller gesetzlicher Krankenversicherungsschutz ein größeres Leistungsspektrum bieten würde, etwa Vorsorge­-, Kuren- und Rehabilitationsmaßnahmen. Gleichzeitig ginge das mit erheblichen zusätzlichen Kosten sowohl für die Saisonkräfte als auch für die Arbeitgeber einher.
Krankenrücktransport ins Heimatland abgesichert
Vor dem Hintergrund, dass Saisonkräfte aufgrund der nur kurzen Dauer ihres Aufenthalts in Deutschland das umfassende Leistungsangebot der gesetzlichen Krankenversicherung nicht nutzen können, wären zusätzliche Kosten für sie ohne praktischen Mehrwert. Demgegenüber böten die speziellen Gruppenkrankenversicherungen Zusatzleistungen für Saisonkräfte, die über das Leistungsspektrum der gesetzlichen Krankenversicherung hinausgingen. Die Geschäftsführerin nannte etwa die Absicherung eines Krankenrück­transports ins Heimatland. Sie seien nicht nur kostengünstig, sondern auch auf den spezifischen Bedarf der Saisonkräfte zugeschnitten.
Den Arbeitgebern sei es wichtig, dass Saisonkräfte im Krankheitsfall oder bei Unfällen eine gute, kostenfreie ärztliche Versorgung erhalten. Ihrer Erfahrung nach wird das durch die privaten Erntehelferversicherungen sichergestellt. Es seien keine Probleme bekannt.
Medizinisch unterversorgt
Die Linke äußert pauschale Kritik. Grünen-Agrarsprecherin Ophelia Níck fordert staatliche Informationen über die Arbeitsbedingungen von Saisonbeschäftigten in der Landwirtschaft: „Es dürfe nicht sein, das in der deutschen Landwirtschaft jedes Jahr zehntausende Menschen ohne ausreichenden Krankenversicherungsschutz schuften müssen.“ Sie blieben im Krankheitsfall „medizinisch unterversorgt oder auf hohen Kosten sitzen.“ Die Bundesregierung weist in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag darauf hin, dass der Abschluss privater Gruppenkrankenversicherungen durch die Arbeitgeber in der Praxis üblich sei, nennt aber keine Zahlen.
Bereits seit Anfang 2022 müssen Arbeitgeber melden, wie kurzfristig beschäftigte Saisonkräfte für die Dauer der Beschäftigung krankenversichert sind. age