Der Weinbauverband Rheinhessen und der Weinbauverband Nahe eröffneten gemeinsam die AgrarWinterTage 2026 mit einer Podiumsdiskussion zu der am 22. März bevorstehenden Landtagswahl in Rheinland-Pfalz. Was haben Landwirte und Winzer von den Parteien zu erwarten? Zur Wahl stehende Kandidaten stellten sich den Fragen.
Zur Eröffnung der AgrarWinterTage sprach Ulla Bernhard-Räder, Vorsitzende des Vereins Ehemaliger Rheinhessischer Fachschüler Oppenheim (VEO), stellvertretend auch für den Verband Kreuznacher Agrarabsolventen (VKA), den Winzern Mut zu, um unternehmerische Entscheidungen zu treffen. Die AgrarWinterTage mit ihrem vielfältigen Angebot, den Fachvorträgen und der Ausstellung boten zahlreiche Inspirationen. „Im Gespräch mit Kollegen und Ausstellern ordnen sich die Gedanken. Das große Netzwerk wird an den AgrarWinterTagen deutlich. Die anstehenden Herausforderungen können wir nur gemeinsam bewältigen“, so Ulla Bernhard-Räder.
Dem stimmte Landwirtschafts-, Weinbau- und Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP) zu. Sie stehe fest an der Seite der Betriebe und dankte dem Weinbauverband für die fachliche Zusammenarbeit, sodass ein „Weinpaket“ geschnürt wurde. Auch auf EU-Ebene habe man einiges erreicht. Nun sei es an der Bundesregierung, das EU-Weinpaket national umzusetzen.
Jens Göhring, Präsident des Weinbauverbandes Rheinhessen, berichtete, dass alle im Landtag vertretenen Fraktionen eingeladen wurden. „Die nicht zugesagt haben, sind auch nicht da“, so Göhring. AfD und Freie Wähler haben nicht auf die Einladung reagiert.
Gunther Hiestand, stellvertretender BWV-Kreisvorsitzender Mainz-Bingen, moderierte die Podiumsdiskussion. Dem Gespräch stellten sich der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion Markus Wolf, die agrarpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Jacqueline Rauschkolb, der parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Landtagsfraktion Marco Weber (BWV-Präsident Rheinland-Nassau e.V.) und die Direktkandidatin im Wahlkreis Ingelheim für Die Grünen Nina Wagner.
Alle Parteien wollen eine Agrarverwaltungsreform
Alle Parteien nehmen sich vor, Bürokratie abzubauen. Grundsätzlich befürworten alle Podiumsteilnehmer eine Agrarstrukturreform, denn es gebe zu viele Verwaltungsstellen, Mehrfachmeldungen, Doppelanträge – hier könne Bürokratie abgebaut werden. Rauschkolb regt eine zentrale digitale Stelle für alle Anträge an, zumindest müsse den Behörden ein Datenaustausch erlaubt sein. Dezentrale Beratung müsse aber erhalten bleiben. Wagner befürwortet eine Verwaltungsreform, die Bürokratie abbaut, an der Beratung dürfe nicht gespart werden. Unterstützung brauchen auch Marketingmaßnahmen, die regionale Produkte stärken. Wolf (CDU) meint, es müssten alle Verwaltungsinstitutionen an einen Tisch, um gemeinsam zu sehen, wie man Kräfte bündeln könne. Dabei müsse man weg von Überwachung und Misstrauen hin zur Beratung der Betriebe.
Alle Parteien befürworten einen Anbaustopp und eine Rotationsbrache, um eine spätere Wiederbepflanzung von Reben zu ermöglichen. Gleichzeitig sollte alles unternommen werden, um den Absatz heimischer Weine zu fördern.
Landwirtschaft und Umwelt in ein Ministerium
Die CDU will Landwirtschaft, Weinbau und Umwelt in ein Ministerium packen, „damit das Gegeneinander aufhört“. Derzeit sind Landwirtschaft und Weinbau im Wirtschaftsministerium integriert, aber Öko-Weinbau ist dem Umweltministerium zugeteilt.
Marco Weber (FDP) ist die Frage wichtiger, welche Partei dieses Ministerium führen würde. Weber stellt fest, dass die Kompetenz der Bundesländer überschaubar sei, Agrarpolitik werde durch die GAP in Brüssel bis 2027 entschieden.
Rauschkolb sprach sich nicht gegen ein gemeinsames Haus für Umwelt, Landwirtschaft und Weinbau aus – es komme auf das Wahlergebnis an.
Naturschutz und Weinbau gehen nur gemeinsam
Nina Wagner betonte, dass Naturschutz und Weinbau keine Gegensätze seien, sondern zusammengehören und zudem Themen für die Vermarktung böten. Besonders wichtig ist ihr die Förderung regionaler Produkte, sei es durch politische Rahmenbedingungen oder Marketing. Dass EU-Fördergeld nach Brüssel zurückfließe, müsse unbedingt verhindert werden. Wagner wies auch darauf hin, dass ein Flickenteppich mit nicht bewirtschafteten Rebflächen verhindert werden müsse. Wenn sich die Kulturlandschaft verändere, müsse sie weiter gepflegt werden. Dafür fordert die Grüne „öffentliches Geld für öffentliche Leistungen“. Die Politik habe vor Jahren eine Konzentration der Lebensmitteleinzelhändler zugelassen. Nun müssten Verbraucher über die unfairen Produktionsbedingungen aufgeklärt werden.
„Durch den stetig steigenden Mindestlohn ist eine Bewirtschaftung der Steillagen nicht mehr zu bezahlen. Es sind keine Preise erzielbar, um die Kosten zu decken“, sagte Marco Weber. Ebenso forderte Wolf (CDU) eine Ausnahme vom Mindestlohn für Saisonarbeitskräfte. Rauschkolb (SPD) widersprach hier klar. Zudem sensibilisierte sie für sozialverträgliche Betriebsaufgaben. Da die Altersrente in der Landwirtschaft nur eine Teilabsicherung biete, drohe Altersarmut, wenn die Rebflächen nicht mehr zu verpachten sind.
Die SPD wolle Ökologie und Ökonomie in Einklang bringen und mit der Branche Lösungen entwickeln. Die CDU strebe langfristige Planungssicherheit an, sodass die Betriebe überleben. Rahmenbedingungen müssten die Ernährungssicherung und Kulturlandschaft erhalten. Die FDP setze sich für gleichwertige Lebensbedingungen in Stadt und Land ein (Verkehrsanbindung, attraktiv für Alt und Jung). Die Grünen wollen die Umstellung auf Piwi-Sorten fördern und sich für Öko-Weinbau einsetzen. bs