Noch Pionierarbeit notwendig

RHEINLAND-PFALZ

Wie kann es mit Rebflächen weitergehen, die sich kaum noch rentieren oder schwer zu vermarkten sind? Um mögliche Wege und Rahmenbedingungen zur Umnutzung aufzuzeigen, veranstaltete das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinhessen-­Nahe-Huns­rück (DLR RNH) Mitte Dezember eine Weiterbildungsveranstaltung in Oppenheim.
Moderatorin Anna Rummel, Referendarin am DLR, gab zu bedenken, dass die vorgestellten Ansätze nicht für jeden Betrieb gleichermaßen funktionierten und jeder für sich bewerten solle, ob sich die Lösungen für das eigene Weingut eigneten. Nach kurzen Impulsvorträgen zu Marktentwicklung, Wirtschaftlichkeit und rechtlichen Rahmenbedingungen ging es in Workshops um konkrete Umnutzungsansätze.
Alternativen sichten und ins Handeln kommen
„Der Weinmarkt in Deutschland ist deutlich kleiner geworden“, zeigte Bernd Wechsler in seinem Impulsvortrag auf. Seit 2017 gehe die vermarktete Weinmenge in Deutschland – mit Ausnahme des Corona-­Hochs – deutlich zurück. Dabei wirken sich nicht nur politische oder kriegsbedingte Entwicklungen auf den Weinabsatz aus. „Eine Vollkosten-deckende Fassweinproduktion ist zu den aktuellen Preisen nicht möglich“, sagte Wechsler. Aufgrund der steigenden Kosten sei ein weiteres Wachstum für solche Betriebe nicht sinnvoll. Als mögliche Optionen zählte Wechsler etwa den Einstieg in die Flaschenweinvermarktung, den Eintritt in Genossenschaften, Einkommensalternativen oder das Auslaufen des Betriebs auf. Flaschenweinvermarkter dagegen können einen stärkeren Qualitätsfokus anstreben, die Produkte gezielt auf Kunden anpassen, eine Nischenstrategie fahren, Exportmärkte erschließen oder Kooperationen in der Vermarktung eingehen. „Wir müssen ins Handeln kommen und Probleme angehen“, forderte Wechsler.
Die Neuanlagenkosten für 1 ha Weinberg (inkl. Pflegekosten für das 1. und 2. Standjahr) belaufen sich derzeit auf rund 54.000 €, wobei Reben und Pfähle die größten Positionen sind, wie Dr. Christian Hill vom DLR Rheinpfalz aufzeigte. Aufgrund der hohen Kosten gebe es derzeit vermehrt Diskussionen, die Standjahre zu verlängern oder eine Grünveredelung durchzuführen – die Kosten für die zweite Variante seien aber ähnlich hoch wie bei einer Neuanlage. Ein Beispielbetrieb mit 20 ha und Fassweinproduktion verdiente 2025 rund 5.900 €/ha. Bei Produktionskosten von 12.850 €/ha sei die Erlössituation erschütternd, so Hill. Hinsichtlich der passenden Anpassungsstrategie sei ein Betriebswachstum kein Allheilmittel. Rund 30 % Kosten einsparen könne man durch Piwis im Minimalschnitt.
Auf die neue Drieschen-Verordnung in Rheinland-Pfalz und die Pflanzrechte ging Jan Besant vom DLR RNH näher ein. Bei einem vereinfachten Verfahren habe man sechs Jahre Zeit nach der Rodung für die Wiederbepflanzung. Kostenlos sei ein freiwilliger Landtausch, wie bei der Flächenbörse Mosel praktiziert, sagte Besant. Die Beantragung der Öko-Regelung 1a mit 1.300 €/ha Förderung sei laut Besant wahrscheinlich ab Mai über LEA möglich.
Ansätze nicht für jeden Betrieb geeignet
Beim Workshop zu Agri-Photo­voltaik-Anlagen wurde schnell klar, dass das kostenintensive Verfahren nur mit den passenden politischen Rahmenbedingungen und einer Förderung umzusetzen ist. Bei diesem „Projekt im Projekt“ komme es hinsichtlich der Eignung stark auf die Betriebsbedingungen an. Viele Richtlinien einzuhalten sind beim Thema Brache, was ein Teilnehmer als „Riesenherausforderung“ bezeichnete. Das DLR RNH überlegt daher, die Winzerinnen und Winzern zusätzlich mit einem Merkblatt zu unterstützen. Blumenselbstschneidefelder sind ein ganz neues Feld für Winzer und kein Selbstläufer, aber eine durchaus spannende Nische. Noch sind viele Fragen offen, vor allem bezogen auf die wirtschaftliche Seite. Auch das Thema Schalenobstanbau sei kein Selbstläufer. Wie aus dem Workshop hervorging, könnte etwa ein Mandelanbau in Kooperationen oder Betriebsgemeinschaften funktionieren. „Der Knackpunkt ist: Wie knacke ich die Nuss?“, fasste es eine Teilnehmerin treffend zusammen. Denn die reine Pflanzung sei weniger das Problem als die Verarbeitung der Nüsse im Anschluss, bei der spezielle Maschinen zum Einsatz kommen. Am Weltmarkt sollten sich die Betriebe nicht orientieren, sondern eine regionale Vermarktung anstreben.
Bei der Feedback-Runde zeigte sich, dass in vielen Bereichen noch Pionierarbeit notwendig ist. Die Teilnehmenden löcherten die Experten mit Fragen und brachten eigene Ideen mit – ein Signal dafür, dass die Weinbranche sich nicht aufgibt, ins Handeln kommt und aktiv nach Möglichkeiten für die Zukunft sucht. bla