Pflanzenschutz in herausforderndem Umfeld

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Bayer CropScience informierte bei der jährlich stattfindenden Pressekonferenz in Deidesheim über die aktuelle Zulassungssituation von Pflanzenschutzmitteln in Sonderkulturen. Die Erhaltung von Wirkstoffen und Neuzulassungen bleibt eine große Herausforderung.
Im Jahr 2025 hatte der Bayer-Konzern einen Umsatz von insgesamt 45,6 Milliarden Euro, davon entfällt mit 21,6 Milliarden Euro fast die Hälfte auf den Bereich CropScience. Das berichtete Heinz Breuer, Bayer CropScience. Zwei Milliarden Euro fließen bei CropScience in Forschung und Entwicklung, was dem höchsten Etat in der gesamten Branche entspricht.
Trotzdem geht die Verfügbarkeit genehmigter Wirkstoffe in der EU stetig zurück. Seit 2019 wurde in der EU kein neuer chemisch-synthetischer Wirkstoff mehr genehmigt, gleichzeitig sind 84 Wirkstoffe weggefallen. Ebenso erhielten fünf biologische Wirkstoffe keine Verlängerung. Zugleich hängen etwa 76 Anträge für neue Wirkstoffe im EU-Genehmigungsprozess fest, erklärte Breuer. Basis für die Wirkstoffgenehmigung ist die Verordnung (EG) Nr. 1107/2009, die Spielräume bietet bei Bedrohungslage und fehlenden Alternativen. Bislang machte die EU davon noch nie Gebrauch.
Resistenzmanagement hat oberste Priorität
Das Genehmigungsverfahren von Wirkstoffen müsste grundsätzlich neu ausgerichtet werden – weg von theoretischen Gefahrenpotenzialen, hin zu einer wissenschaftlichen und datenbasierten Bewertung. Würden einige EU-Ausschlusskriterien risiko- statt gefahrenbasiert beurteilt werden, wie alle anderen Regionen der Welt es tun, könnten zahlreiche Wirkstoffe im Markt bleiben oder in den Markt kommen, ohne Abstriche bei der Sicherheit für Mensch, Tier und Umwelt.
Außerdem fordert Bayer, dass Gesetze angepasst werden, damit Widersprüche von Umweltverbänden Neuzulassungen nicht mehr sofort außer Kraft setzen, bevor die Prüfung auf Rechtmäßigkeit erfolgt ist. So geschehen mit Roundup future im letzten Jahr. Jetzt steht das neue Her­bizid wieder zur Verfügung.
Die vor allem im Obst- und Gemüsebau häufig vorkommenden Notfallzulassungen bieten weder der Industrie noch der Landwirtschaft Planungssicherheit. Um die Wirksamkeit zugelassener Produkte zu erhalten, rät Bayer zu konsequentem Resistenzmanagement. So sollte ein Wirkstoff nur einmal in die Spritzfolge eingebaut werden.
Rebschutz im Drei-Blatt-Stadium starten
Im Weinbau müssen Oidium und Peronospora bis zur abgehenden Blüte konsequent ausgeschaltet werden. Frühzeitiges Handeln ist entscheidend. In Rebanlagen mit Vorjahresbefall sollte bereits im Drei-Blatt-Stadium begonnen werden. Dazu erklärte Markus Borkowski, Vertriebs­teamleiter Sonderkulturen, die Pflanzenschutzstrategie von Bayer.
Bei Peronospora (Falscher Mehltau) ist das Augenmerk auf die Blüte zu richten. Das starke Beerenwachstum kann schnell Lücken im Belag verursachen, deshalb wird zum Einsatz von Profiler (teil- und vollsystemisch) vor der Blüte geraten. Profiler wurde im trockenen Jahr 2025 auf 30.000 Hektar vor der Blüte eingesetzt. In Jahren mit hohem Peronospora-Druck wird das Produkt auf mehr als 40.000 Hektar angewendet und zähle somit zu den führenden tiefenwirksamen Peronospora-Produkten, so Borkowski.
Gegen Oidium (Echter Mehltau) ist Bayer mit ProsperTEC stark vertreten, das auf etwa zwei Dritteln der deutschen Rebfläche vor der Blüte eingesetzt wird und für das Fünf- bis Neun-Blatt-Stadium empfohlen wird, um frühe, latente Infektionen auszuschalten und die Basis für einen sauberen Start in die Traubenblüte zu legen, vor allem bei Vorjahresbefall.
Im empfindlichen Stadium der abgehenden Blüte sei ein Produkt aus der SDHI-Gruppe einzusetzen, so Borkowski. Es bieten sich die beiden Luna-Produkte an, die sich durch die Kombination zweier Wirkstoffe auszeichnen und so ein in­tegriertes Anti-Resistenz-Management unterstützen. Luna Max als Kombination aus Spiroxamine (wie in ProsperTEC) und Fluopyram verspreche hohe Wirkungssicherheit, erklärte Borkowski.
Für Regionen mit Schwarzfäule empfiehlt Bayer Luna Experience. Generell ist konsequenter Wirkstoffgruppenwechsel wichtig. Zur abgehenden Blüte habe sich Melody Combi bewährt.
Gegen Botrytis steht ab 2026 wieder Teldor im Weinbau zur Verfügung. In Jahren mit frühem Fäulnisdruck schützen Botrytizide sowohl Qualität als auch Ertrag. Verbunden mit sorgfältiger Laubarbeit für eine lockere, luftige Laubwand können Premiumweine erzeugt werden.
Bayer-Strategie für den Rebschutz 2026
früher Beginn gegen Oidium (Drei-Blatt-Stadium bei Befallsrisiko) ProsperTEC im Fünf- bis Neun-Blatt-Stadium SDHI-Einsatz in die abgehende Blüte mit Luna Max oder Luna Experience Profiler kurz vor der Blüte Melody Combi zur abgehenden Blüte Das Botrytizid Teldor ist ab 2026 wieder verfügbar. bs