Protestbrief an Bundeslandwirtschaftsminister

Landwirtschaft verbindet

Das Bundesministerium hat angekündigt, dass die Informationsoffensive Wein ausschließlich Bio- und alkohol­freie Weine bewerben soll. Darauf hat der Verein Landwirtschaft verbindet Rheinland-Pfalz reagiert und einen offenen Protestbrief an den Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer geschrieben.
Es keimte ein wenig Hoffnung auf
Die Winzer bedanken sich zunächst, denn als die Ankündigung der „Informationsoffensive Wein“ bekannt wurde, keimte bei vielen Winzern erstmals seit Langem wieder ein wenig Hoffnung auf. Hoffnung, dass die Politik die dramatische Lage des deutschen Weinbaus erkannt hat und bereit ist, dort anzusetzen, wo die Probleme liegen: nicht bei der Qualität deutscher Weine, sondern bei deren Vermark­tung.
Signal in die falsche Richtung
Eine Million Euro wird die Krise des deutschen Weinbaus nicht lösen, aber es wäre zumindest ein Signal gewesen an die tausenden Familienbetriebe, die seit Jahren mit steigenden Kosten, wachsender Bürokratie, Wetter­extremen und rückläufigem Konsum kämpfen. Ein Signal dafür, dass die Politik verstanden hat, dass deutscher Wein mit seinen Stärken immer weniger beim Verbraucher ankommt.
Viele Winzer dachten, es werde die gesamte Branche unterstützt – jene Betriebe, die seit Generationen unsere Kulturlandschaften prägen, Arbeitsplätze sichern und jedes Jahr aufs Neue hervorragende Weine erzeugen. Nun sind die Winzer überrascht, dass ausschließlich Werbung für Bio- und alkoholfreie Weine gefördert wird. Zwei Marktsegmente, die zusammen nur einen kleinen Bruchteil des gesamten deutschen Weinmarktes ausmachen. Das ist ungefähr so, als wolle man die deutsche Autoindustrie retten, indem man ausschließlich E-Roller und Fahrradklingeln bewirbt oder die Landwirtschaft stärken, indem nur Hafermilch und Schnittlauch staatlich unterstützt werden.
Bioweine und alkoholfreie Produkte haben ihre Berechtigung, aber sie sind nicht die Antwort auf die Krise des Weinbaus. „Landwirtschaft verbindet“ fordert den Bundeslandwirtschaftsminister in seinem Brief auf, das Gespräch mit der gesamten Branche zu suchen, nicht nur mit ausgewählten Interessengruppen oder politischen Trendthemen, fordert Thilo Ruzycki, Vorstand von „Landwirtschaft verbindet“ und Winzer in Rheinhessen.
Wer ernsthaft den deutschen Weinbau stärken möchte, dürfe nicht an der Basis vorbei politisch entscheiden. Die Winzer fordern einen offenen Dialog darüber, wie eine Förderung aussehen kann, welche die Breite der Branche unterstützt, statt zwei kleine Nischen symbolisch herauszustellen. Hinter dem deutschen Weinbau stehen tausende Betriebe, Generationen von Familienarbeit, regionaler Identität und eine Vielfalt, die man nicht aus einer Förderkampagne herauskürzen könne.
Die Branche fühlt sich nicht gesehen
Viele Winzer sehen darin keine angemessene Antwort auf die wirtschaftlichen Herausforderungen der Branche und fühlen sich durch die geplante Ausrichtung der Informationskampagne nicht berücksichtigt.
Mit dem offenen Brief möchte „Landwirtschaft verbindet“ auf die Sorgen der Familienbetriebe aufmerksam machen und einen breiten Dialog über Maßnahmen anstoßen, die den gesamten deutschen Weinbau unterstützen. LSV RLP