Schwierige Erlössituation und Strukturwandel

WÜRTTEMBERG

Foto: Bettina Siée
Der Weinbauverband Württemberg beschrieb bei einer Pressekonferenz die schwierige Erlössituation der Betriebe und kritisierte fehlende Verlässlichkeit politischer Entscheidungen. Dr. Hermann Morast, Geschäftsführer des Weinbauverbandes Württemberg, beklagte kaum umsetzbare gesellschaftliche Forderungen und stark rückläufigen Weinkonsum, der den Strukturwandel in Württemberg beschleunigt.
Bis zu 2.000 ha weniger Reben in Württemberg
Morast rechnet mit 2.000 ha weniger Rebfläche bis 2030 in Württemberg. Vor allem Steilla­gen werden aufgegeben. Durch Verbuschung gerodeter Flächen drohe Biodiversitätsverlust.
Vizepräsident Peter Albrecht, Winzer aus Heilbronn, begrüßt, dass die Pflanzung von Piwis in Baden-Württemberg mit 1.000 Euro pro Hektar gefördert wird, um den Pflanzenschutzmittel­einsatz zu reduzieren.
In einem mit dem Baden-­Württembergischen Genossenschaftsverband und Badischen Weinbauverband abgestimmten Zukunftspapier „Weinbau 2030“ fordert die Branche die Förderung einer mehrjährigen Brachebegrünung. So würden Biotopvernetzungen oder Habitatsflächen umgesetzt.
Der Weinbauverband kritisiert die Marktmacht der Handelspartner. „Die Abnehmer diktieren die Preise. Derzeit kann kein Betrieb von den Erlösen des Weinbaus leben. Es braucht Einkommensalternativen im Tourismus und anderen Bereichen“, so Vizepräsident Bernhard Idler von der WZG Möglingen. Der Handel wirbt mit Regionalität, aber erkennt nicht, dass die Erlöse der Traubenerzeuger nicht reichen und Betriebe aufgeben müssen.
Die Schutzgemeinschaft Württemberg ist mit der von der Weinverordnung für 2026 vorgesehenen Gebietsprofilierung befasst. Langfristig werden Lagen- und Ortsweine nicht mehr in 1,0-Liter Glasflaschen abgefüllt, sondern in 0,75-Liter Mehrwegflaschen.
Riesling, Sauvitage und Souvignier Gris
Wie Magdalena Dreisiebner von der LVWO Weinsberg erklärte, geben jedes Jahr 4 % der Weinbaubetriebe in Württemberg auf. 2023 bewirtschafteten über die Hälfte der knapp 7.000 Betriebe Württembergs weniger als 0,29 ha Reben. Kleinparzellierte Weingärten prägen die Kulturlandschaft. Innerhalb von 28 Jahren hat Württemberg 62 % seiner Betriebe verloren, aktuell sind es noch 2.876 mit etwas über 11.000 ha Rebfläche. Die Zahl der Betriebe mit über 10 ha stieg 2023 weiter an, 51 bewirtschaften sogar über 20 ha.
Von 71 % Rotweinanteil 2008 sind es nun noch 65 % in Württemberg. Bei den weißen Sorten dominiert Riesling mit 2.100 ha. Unter den Piwis, die auf 260 ha wachsen (plus 55 ha), ist Sauvitage mit 45 ha der Gewinner.
Württemberg hat im Rahmen eines EU-Programms 8,3 Mio. Liter Rotwein destilliert. Das entspricht dem Absatzrückgang und entlastet den Markt.
Jungwinzerpreis 2024 an das Triebwerk Heilbronn
Triebwerk, die Jungwinzergruppierung der Genossenschaftskellerei Heilbronn, mit etwa 30 Jungwinzern zwischen 20 bis 35 Jahren gewann den Jungwinzerpreis des Weinbauverbandes Württemberg. Triebwerk steht für eine eigene erfolgreiche Weinlinie der Genossenschaft sowie für Piwi-­Rebsorten. bs