Aus der Forschung für die Praxis

PFALZ

© Andrea Kerth
Ein gutes Zeitmanagement war diesmal bei der Tagung „Aus der Forschung für die Praxis – Herbst 2020“ besonders wichtig, zu der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd, LWK Rheinland-Pfalz, Weincampus Neustadt und DLR Rheinpfalz am 19. August eingeladen hatten. Denn viele Winzer kamen wegen Infos zum Herbst, zur Marktlage und oenologischer Empfehlungen ins DLR und um sich mit Beratern und Kollegen auszutauschen. Mit Blick auf die zulässige Gästezahl nach der Corona-Verordnung lief die Tagung in drei Sälen gleichzeitig, wobei sich die Referenten abwechselten.
Gute Voraussetzungen für den Herbst 2020
Weinbaupräsident Reinhold Hörner erklärte zur Lage in den Weinbergen: „Trotz Trockenheit stehen die meisten Rebanlagen sehr gut da. Natürlich ist der Wassermangel ein Thema und es lässt sich schon jetzt sagen, dass auch 2020 wieder ein „neidischer Herbst“ mit lokal sehr unterschiedlichen Erträgen werden wird.“ Aufgrund verstärkter Nachfrage seitens der Kellereien und des LEH seien Pfälzer Weine trotz eines gewissen Einbruchs durch die Corona-Krise am Markt gefragt. Mit Blick auf die Saisonarbeiter hofft Hörner, dass die Corona- Situation in Rumänien wie auch Polen stabil bleibe, damit kein Einreisestopp wie im Frühjahr drohe. Zusätzlich informierte Präsident Hörner über die Vorschläge des Deutschen Weinbauverbandes zu den Entwürfen zur Änderung des Weingesetzes und der Weinverordnung. Gerade beim Bezeichnungsrecht gab es mehrfach Kritik von Winzerseite, zum Beispiel zur Festlegung des 1. März als frühestem Vermarktungstermin bei Verwendung einer Einzellage.
Blick auf den Markt
Wie es am Weinmarkt aussieht, zeigte Dr. Thomas Weihl, LWK Rheinland-Pfalz, an den Zahlen der Qualitätsweinprüfung. „Trotz einer kleineren Ernte im Jahr 2019 und Rückgängen bei der Anstellung durch die Weingüter sieht man in der Summe leicht steigende Absatzzahlen bei der QW-Prüfung“, so Weihl. Die Anstellungen vonseiten des Handels seien bei Rot- und Weißwein stabil und ein großes Plus entfalle auf sonstige Weine wie Blanc de Noir oder Rosé. „Dabei sind die aktuell lagernden Fassweinbestände zum Stichtag 31. Juli geringer als in den Vorjahren, mit Ausnahme des Jahres 2018. Und aufgrund der lagernden Bestände in den Kellern lässt sich auch kein Druck auf die Fassweinpreise für Qualitätswein feststellen“, erklärte Weihl.
Oenologischer Ausblick auf den Herbst
Den oenologischen Ausblick gab Prof. Ulrich Fischer vom Weincampus Neustadt. Wegen sinkender Säurewerte wird die Zulassung der Säuerung in Rheinland-Pfalz erwartet. In den Weinbergen zeigt sich trotz sortenabhängiger Verrieselungen und stärkeren Sonnenbrandschäden eine überwiegend positive Situation. „Derzeit sehen wir keine Fäulnis“, erklärte Prof. Fischer. „Reifemäßig haben wir einen Verlauf wie 2011 und 2015. Es sind also beste Voraussetzungen für einen großen Jahrgang.“
Einblick in die Forschung
Beim Wissensparcours konnten sich die Gäste in Kleingruppen über Forschungsprojekte des Weincampus Neustadt informieren. Dabei ging es von einer nachhaltigen Bodenpflege durch Herbst- und Winterbegrünung, Weinbauaspekte und Stilistik pilzwiderstandsfähiger Sorten und die Digitalisierung im Weinberg bis zu innovativen Verfahren zur Unterstockbehandlung. Für die Kellerwirtschaft gab es Infos zur Anpassung der Rotweinbereitung an die phenolische Reife und die digitale Gärsteuerung und -kontrolle. ak