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56. Veitshöchheimer Weinbautage

Das Profil des Frankenweins im globalen Wettbewerb durch eine Klassifikation des Anbaugebietes zu schärfen, dass ist das gemeinsame Ziel der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) Veitshöchheim und des Fränkischen Weinbauverbandes. Herausragender Markenkern Frankens könnte der autochthone Silvaner sein. Das machten LWG-Vizepräsident Dr. Herrmann Kolesch und Weinbauverbandspräsident Arthur Steinman bei den 56. Veitshöchheimer Weinbautagen in der Volkacher Mainschleifenhalle vor rund 700 Teilnehmern deutlich. Die wissenschaftlichen Grundlagen dafür könnte die LWG in den kommenden drei bis fünf Jahren schaffen, der Gesamtprozess bis 2025 abgeschlossen sein, meinte Steinmann. Herkunft und Klassifikation seien künftig die zentralen Herausforderungen der fränkischen Weinwirtschaft, um sich angesichts einer Liberalisierung des Anbaurechtes weiterhin erfolgreich auf dem Markt zu behaupten, betonte Kolesch. Ein klar abgegrenztes Weinbaugebiet mit klaren Qualitätsstandards sichere auch langfristig den Erhalt der geschützten Ursprungsbezeichnung. Letztlich aber halte immer der Winzer selbst den Schlüssel zu seinen großen Weinen in der Hand.
 
Erfahrungen mit ähnlichen Konzepten
Ähnliche Klassifizierungsprozesse laufen bereits in benachbarten Bundesländern und Staaten. So stellten der Österreichische Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager und die Leiterin von Burgundy D’vine in Dijon, Beatrix van der Veen, ihre Konzepte vor. Professor Dr. Ortmar Löhnertz zeigte auf, wie viele wissenschaftliche Daten unter anderem zu Klima, Boden, Lage, Rebsorte, Ertrag und Sonneneinstrahlung in die Klassifizierung für Erste Gewächse im Rheingau einfließen. Konzeptionelles Vorbild für Franken könnte dabei auch das Verfahren des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) werden. Dieses wurde von Hilke Nagel, VDP-Bundesgeschäftsstelle, erläutert.
 
Nutzen für die Winzer
Grundlagen der Klassifizierung in Franken, so Steinmann in der anschließenden Podiumsdiskussion, werden die Katasternamen und wissenschaftliche Erkenntnisse zu vielen Parametern des Weinbaus sein. Damit werde ein Teil der alten Lagennamen wegfallen. Die Lagenklassifizierung vor allem für die großen Weine werde sicher manchem wehtun. Einige bekannte Lagennamen werden verschwinden. „Aber wir nehmen niemandem etwas weg. Wir schälen nur das Bessere heraus,“ betonte er. Ziele seien unter anderem sensorisch eindeutig zuzuordnende Weine und eine gesetzliche Nachvollziehbarkeit. Aber man werde sich Zeit lassen, um möglichst alle der rund 900 Weinerzeuger ins Boot zu holen. VDP-Mitglied Karl Schmitt aus Randersacker unterstrich den Nutzen der angestrebten Klassifizierung für den Winzer aus seiner Sicht. Die Eigenverantwortung steige, meinte er, Qualität werde schmeckbarer. Schließlich bringe dies dem Wein Wertschätzung und auch zusätzliche Wertschöpfung. Wendelin Grass, Geschäftsführer von Divino Nordheim steht einer Klassifizierung ebenfalls positiv gegenüber. Vor allem Weinserien könnten davon profitieren. Allerdings bediene seine Genossenschaft nicht nur dieses eine Prozent der Verbraucher, die die Liebhaber von Spitzenweinen seien, sondern auch jene 99 % andere Zielgruppen. Viele Verbraucher wollten ihren Bacchus ebenso wie ihren Muskateller trinken. Grass betonte, dass diese Vielfalt an Weinsorten die Zukunft Frankens als Weingebiet sichere. Sich zu sehr auf den Silvaner zu konzentrieren könnte genau diese Zukunft aber ebenso gefährden.
S. Fertsch/LWG