Baden jubelt

73. Deutsche Weinkönigin ist Sina Erdrich

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Neue Deutsche Weinkönigin ist Sina Erdrich aus Durbach in Baden. In einem spannenden Finale setzte sich die 24-Jährige gegen ihre fünf Mitbewerberinnen durch. Als Deutsche Weinprinzessinnen stehen ihr Saskia Teucke aus der Pfalz und Linda Trarbach von der Ahr zur Seite.
Ins Finale hatten es auch Valerie Gorgus aus dem Rhein­gau, Henrike Heinicke aus Würt­temberg und Marie Jostock von der Mosel geschafft. Sie haben ihr Gebiet großartig vertreten und mussten dennoch ohne Krone heimfahren. Beim Vorentscheid eine Woche zuvor hatte die Jury die Wahl aus elf Kandidatinnen. Ausgeschieden sind Andrea Böhm aus Rheinhessen, Heike Knapp von der Hessischen Bergstraße, Marie Dillenburger vom Mittelrhein, Laura Tullius von der Nahe und Annemarie Triebe von Saale- Unstrut. Franken und Sachsen hatten dieses Jahr keine Bewerberin geschickt.
Als die Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts (DWI), Monika Reule, die Entscheidung der rund 70-köpfigen Fachjury im Saalbau von Neustadt an der Weinstraße verkündete, war Sina Erdrich freudig überrascht. Freudestrahlend und sichtlich bewegt nahmen sie und die beiden neuen Weinprinzessinnen unter lautstarkem Applaus des etwa 400-köpfigen Publikums die Kronen von ihren Vorgängerinnen entgegen.„Ich bin völlig überwältigt, es war eine emotionale Achterbahnfahrt die letzten beiden Wochen“, sagte die frisch­gekrönte Weinkönigin.
Sina Erdrich aus Durbach wird ein Jahr lang für die heimi­schen Weine und deren Erzeuger im Auftrag des DWI auf rund 200 Terminen im Inland und auf internationalen Bühnen unterwegs sein – soweit es das Infektionsgeschehen zulässt. Die sechs Finalistinnen haben es der Jury nicht leicht gemacht. „Mit dem neuen Majestäten-Trio werden drei außerordentlich kompetente und souveräne Fachfrauen als Botschafterinnen die heimischen Weine weltweit repräsentieren“, so DWI-Chefin Monika Reule.

Die Messlatte lag schon im Vorentscheid hoch

Nachdem die Finalistinnen bereits im Vorentscheid die fachliche Messlatte sehr hoch gelegt hatten, ging es in der finalen Wahlgala um rhetorische Fähigkeiten und Bühnenpräsenz. So galt es als fiktive Reporterin „live“ von einer Veranstaltung zu berichten oder im „Theaterspiel“ mit dem renommierten Bonner Improvisa­tionstheater Springmaus in drei Szenen ihre Spontanität unter Beweis zu stellen. Respekt hatten die Kandidatinnen vor der Aufgabe, in 30 Sekunden einen Wein verdeckt zu erkennen. Dabei geht es der Jury um eine sensorische Weinbeschrei­bung und weniger darum, dass die Rebsorte erkannt wird.
Ein Höhepunkt der Wahlgala war erreicht, als die Jury aus den sechs Finalistinnen die drei neuen Weinmajestäten wählte. Die Kandidatinnen von der Mosel, aus dem Rheingau und aus Württemberg hatten ihr Gebiet und sich selbst bestens präsentiert, am Ende entscheidet ein Quäntchen Glück.
Spannungsgeladen war die Stimmung im Saal bei den letzten beiden entscheidenden Aufgaben. Nach der Beantwortung von drei schwierigen Fragen sollten die drei Bewerberinnen mit einer kurzen Rede zum Thema „My Challenge“ von sich überzeugen. Sie berichteten sehr emotional und persönlich, welche Situationen für sie im Leben zu den größten Herausforderungen zählen und wie sie diese meistern.
Sina Erdrich, die auch schon bei den Aufgaben zuvor mit ihrer souveränen Bühnenpräsenz und Schlagfertigkeit gepunktet hatte, überzeugte hier mit Eloquenz und Natürlichkeit. Überwältigt nahm sie die Krone der Deutschen Weinkönigin von ihrer Vorgängerin Eva Lanzerath in Empfang.
Linda Trarbach aus Dernau gelang es mit ihrer Kompetenz und ihrem Charme, wieder eine Krone an die Ahr zu holen. Sie wünscht sich, nicht als Prinzessin der Trümmer im Ahrtal wahrgenommen zu werden. Sie steht für das Comeback des Weinbaus an der Ahr, den Wiederaufbau und freut sich, jetzt als Deutsche Weinprinzessin alle deutschen Anbaugebiete zu präsentieren, die mit einer unglaublichen Solidarität in der Not zusammenstehen.
Saskia Teucke aus Weisenheim am Sand gelang es, die Krone der Deutschen Weinprinzessin erneut in die Pfalz zu holen. Die Vorgängerin Anna-Maria Löffler aus Haßloch hat vor wenigen Wochen aus beruflichen Gründen ihre Krone abgegeben, wie DWI-Chefin Reule erklärte.
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Emotionaler Abschied und Neubeginn

Holger Wienpahl moderierte den live vom SWR-Fernsehen übertragenen Wahlabend, in dem Kabarettist Bernd Stelter mit einem „Weinseminar“ und Sänger Andy Ost für unterhaltsame und humorvolle Zwischentöne sorgten.
Vor ihrer Verabschiedung ließen die scheidende Weinkönigin Eva Lanzerath und die Deutsche Weinprinzessin Eva Müller aus Wöllstein in Rheinhessen ihr Jahr als Deutsche Weinmajestäten Revue passieren, das sich pandemiebedingt und durch die Flutkatastrophe an der Ahr in vielerlei Hinsicht ganz anders als das ihrer Vorgängerinnen gestaltet hatte.
Bereits zu Beginn der Wahlgala hatte die aus dem Ahrtal stammende Deutsche Weinkönigin auf die noch immer sehr ernste Situation in ihrer Heimat hingewiesen und weiterhin zur Solidarität mit der Ahr aufgerufen. Dies kam auch während der Wahlgala zum Ausdruck: Die Finalistinnen hatten vorab die Aufgabe bekommen, mit ihren Fans die Buchstaben des Wortes „SolidAHRität“ bildlich darzustellen. Der Dank von Eva Lanzerath galt allen, die ihr und ihrem Team in diesem besonderen und schwierigen Jahr zur Seite standen.
Alle waren dankbar, dass die Wahl der Deutschen Weinkönigin stattfinden konnte. Der Saalbau war nur halb besetzt und auf die übliche Feier nach der Wahl wurde verzichtet. bs