Chancen in der Krise

RHEINGAU

Foto: Markus Meier
In der gegenwärtigen Krise des Weinbaus liegen auch Chancen: Diese aufzuzeigen, war das Ziel einer Fachtagung am 4. Dezember 2025 an der Hochschule Geisenheim. „Strukturwandel im Weinbau – was bedeutet er für die Kulturlandschaft des Rheingaus?“ lautete die Leitfrage zu den aktuellen wirtschaftlichen, klimatischen und ökologischen Herausforderungen im Rheingau, die bei der Veranstaltung aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert wurde. Die Teilnehmenden entwickelten unter anderem Konzepte für die Nutzung brachliegender Weinbergsflächen und konnten ihre Ideen einbringen, um den Wandel der Rheingau-Landschaft aktiv mitzugestalten.
In einem gemeinsamen Vortrag hoben die Professoren Manfred Stoll (Weinbau), Ilona Leyer (Ökologie) und Eckhard Jedicke (Kulturlandschaft) hervor, dass der gegenwärtige Wandel im Weinbau auch Chancen mit sich bringe: Durch die freigewordenen Flächen entstünden Möglichkeiten, die Landschaft als Produktions-, Er­holungs- und Lebensraum ­weiterzuentwickeln und den Herausforderungen der Klimakrise besser gerecht zu werden. Das Animationsvideo „Landschaft ist veränderbar“ (abrufbar u.a. auf dem YouTube-Kanal der Hochschule) veranschaulicht diese Vision beispielhaft: eine Weinbergsflur, die sich von einer monotonen Landschaft zu einem abwechslungsreichen und attraktiven Raum entwickelt, der neben der Traubenproduktion vielfältige Funktionen erfüllt.
Chancen für die Landschaft und die Wirtschaft
Die Vortragenden stellten Ergebnisse einer Befragung regio­naler Akteure vor, die zeigen, dass eine multifunktionale und vielfältige Weinbau-Landschaft mit den Bedürfnissen und Ansichten der Winzerinnen und Winzer, Kommunen und Behörden sowie Naturschutz-Organisationen korrespondiert.
Dominik Russler, Geschäftsführer des Rheingauer Weinbauverbands, machte auf das ungehobene Potenzial des Rheingaus für die weintouristische Vermarktung aufmerksam, die ein wichtiger Baustein gegen die Absatzkrise sei. Der Rheingau punkte mit seiner einzigartigen Landschaft aus Wald, Weinbergen und Rhein. Russler rechnet mit 10 bis 20 % weniger bewirtschafteter Rebfläche in den nächsten Jahren. Diese zum Teil für Alternativkulturen und Gehölze zu nutzen, wäre ein Gewinn für die Kulturlandschaft. „Die Visionen, die wir heute hier diskutieren, sind Wirtschaftsförderung pur“, unterstrich auch Patrick Kunkel, Bürgermeister der Stadt Eltville.
An vier parallelen Themen­tischen entwickelten die Teilnehmenden am Nachmittag Visionen für alternative Nutzungen von Weinbergsbrachen und übergreifenden Flächen und erörterten fördertechnische und rechtliche Implikationen sowie gesellschaftliche Erwartungen. Die Vorschläge werden in die aktiven Netzwerke im Rheingau einfließen, um so manche Idee Realität werden zu lassen.
Zum Abschluss betonten die Teilnehmenden, wie wichtig die Zusammenarbeit aller Akteure sei, um Lösungen für den Rheingau zu entwickeln, die sowohl dem Weinbau, der regionalen Wirtschaft als auch der Gesellschaft zugutekommen. Eine digitale Abfrage zu den Inhalten der nächsten Tagung ergab, dass eine Weiterführung und Vertiefung dieses Themas gewünscht ist. HGU