Der Verband Deutscher Weinexporteure e.V. (VDW) hat im Rahmen seiner Mitgliederversammlung und des anschließenden Exportforums Chancen für den internationalen Weinhandel diskutiert. Im Mittelpunkt stand die dringend notwendige Vereinfachung des grenzüberschreitenden Direktvertriebs von Wein innerhalb der EU. Vertreter des europäischen Berufsstands und der EU-Kommission erörterten Ansätze für einen europäischen Verbrauch-steuer-One-Stop-Shop.
Kleinere und mittlere Betriebe sind belastet
Der grenzüberschreitende Direktvertrieb sei für viele kleinere und mittlere Weingüter ein wichtiger Zukunftsmarkt. Im Premiumsegment entstehen Kundenbeziehungen zunehmend digital und über Ländergrenzen hinweg. „Die derzeitigen verbrauchsteuerlichen Anforderungen machen diesen Vertrieb unnötig kompliziert und führen zu erheblichen bürokratischen Belastungen“, so VDW-Vorsitzender Gerhard Brauer. „Wir brauchen eine europäische Lösung, die den Binnenmarkt stärkt und es auch kleineren Betrieben ermöglicht, ihre Weine unkompliziert an Verbraucher in anderen Mitgliedstaaten zu verkaufen.“
Raphaël Fattier (CNOAC) stellte die Herausforderungen aus Sicht der Weinwirtschaft dar und erläuterte, dass unterschiedliche nationale Verfahren, zahlreiche Registrierungspflichten und fehlende digitale Prozesse den grenzüberschreitenden Versandhandel erschweren. Besonders betroffen seien kleine und mittlere Unternehmen, die überproportional hohe administrative Aufwendungen tragen müssten. Fattier betonte, dass mit einem einheitlichen EU-Portal für Verbrauchssteuern keinesfalls die nationalen Steuerregeln geändert oder harmonisiert werden sollten.
Die Vertreterin der EU-Kommission, Lenka Mikulíková aus der Generaldirektion Steuern und Zollunion (DG TAXUD), stimmte den Ausführungen des Berufsstandes ausdrücklich zu.
Die Kommission untersucht derzeit in einer Studie Vereinfachungen des europäischen Verbrauchsteuersystems. Ziel ist, bis Ende 2026 eine Grundlage für Reformen zu schaffen. Ein Legislativvorschlag wird für 2027 erwartet. Im Mittelpunkt stehen vereinfachte Registrierungsverfahren, eine stärkere Digitalisierung sowie Überlegungen zu einer zentralisierten Abwicklung der Verbrauchsteuerpflichten bei grenzüberschreitenden Lieferungen – orientiert am Grundprinzip des bestehenden One-Stop-Shop-Ansatzes im Umsatzsteuerbereich. Der VDW begleitet diese Diskussion gemeinsam mit seinen europäischen Partnerverbänden.
Die europäischen Dachverbände EFOW, COPA-COGECA, CEEV und CEVI haben die EU-Kommission gemeinsam aufgefordert, eine Vereinfachung des grenzüberschreitenden Weinverkaufs umzusetzen.
Strategie zur Entwicklung der Herkunftsbezeichnung
Dr. Riccardo Ricci Curbastro (Präsident des Consorzio per la tutela del Franciacorta & Präsident von EFOW) stellte beim Exportforum die Strategie der italienischen Herkunftsbezeichnung Franciacorta vor. „Die Ausführungen von Riccardo haben gezeigt, welche Bedeutung eine starke Erzeugervereinigung für die Entwicklung einer Herkunftsbezeichnung haben kann“, so VDW-Geschäftsführer Christian Schwörer. „Besonders interessant waren Einblicke in die Organisation des Konsortiums, die Finanzierung, die gemeinsame Vermarktung sowie die Verwaltung des Produktionspotenzials. Daraus ergeben sich für deutsche Erzeugervereinigungen wertvolle Anregungen.“ Curbastro zeigte auf, wie Franciacorta durch konsequente Qualitätsstrategie, ein klares Profil und enge Zusammenarbeit der Erzeuger eine starke Position aufgebaut hat. Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt eine zentrale Rolle in der langfristigen Positionierung der Herkunftsbezeichnung.
Absatzmärkte und Exportförderung
Ein weiterer Schwerpunkt des Exportforums lag auf den internationalen Absatzmärkten und der Exportförderung. Vor dem Hintergrund des sinkenden Inlandskonsums kommt dem Export zentrale Bedeutung für die deutsche Weinwirtschaft zu. „Die Unterstützung des Bundesministeriums bei Geschäfts- und Unternehmerreisen, Messebeteiligungen und weiteren Exportfördermaßnahmen ist von großer Bedeutung“, erklärte Brauer. „Eine kontinuierliche, professionelle Marktbearbeitung ist entscheidend, um neue Märkte zu erschließen und Absatzmöglichkeiten zu sichern.“
Außerdem beschäftigte sich der VDW mit der geplanten Erhöhung der Schaumweinsteuer. Der Verband lehnt die vorgesehene Anhebung um 20 % entschieden ab. „Die geplante Erhöhung der Schaumweinsteuer ist weder wirtschafts-, finanz- noch strukturpolitisch überzeugend. Sie belastet eine Branche, die sich bereits in einer existenziell schwierigen Lage befindet, gefährdet Investitionen, Innovationen und Arbeitsplätze und wird ihr erklärtes fiskalisches Ziel nicht erreichen“, erläuterte Schwörer.
Der Verband wies darauf hin, dass die Steuererhöhung in einer Phase erfolgt, in der die Weinwirtschaft bereits mit erheblichen Absatzrückgängen, steigenden Kosten und schwierigen Marktbedingungen konfrontiert ist. Die erwarteten Mehreinnahmen würden durch Absatzverluste und Folgewirkungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette bezweifelt.
Der Verband Deutscher Weinexporteure, kurz VDW, ist der Interessenverband der Exporteure deutscher Weine. Er setzt sich dafür ein, die Interessen seiner Mitglieder auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene zu vertreten. Der VDW hat seinen Sitz in Bonn. VDW