Neuer Winzerjahrgang

Dass vor dem Berufsstart im eigenen Betrieb oder im Arbeitsverhältnis eine fundierte und fachlich anspruchsvolle Ausbildung steht, ist inzwischen Standard. Allein in Rheinland-Pfalz absolvierten in den letzten Tagen rund 190 Auszubildende ihre praktischen Prüfungen und schlossen ihre dreijährige Winzerlehre ab.

Unter den kritischen Blicken von Lehrer Bernhard Degünther und Winzerin Mirijam Schneider hat Jasmin Lorch einen Wein sensorisch zu bewerten.
Unter den kritischen Blicken von Lehrer Bernhard Degünther und Winzerin Mirijam Schneider hat Jasmin Lorch einen Wein sensorisch zu bewerten.Foto: Frieder Zimmermann
Die praktische Prüfung der Jungwinzer findet meist in den Anbaugebieten in Winzerbetrieben statt. Wie umfassend und aufwendig eine solche Prüfung abläuft, zeigt die Durchführung an einem Prüfungstag in den Räumen des DLR in Oppenheim.
Die Auszubildenden stellten sich in drei Arbeitsbereichen den Aufgaben. Die paritätisch besetzte Prüfkommission besteht aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern sowie Berufsschullehrern. Je zwei Prüfer stellen einem Auszubildenden in jedem der Arbeitsbereiche Aufgaben, begleiten deren Erfüllung, stellen Zwischenfragen, konstruieren Probleme, wie sie in der Praxis auftreten können und bewerten die Antworten und Lösungen des Prüflings. Nach Aufgabenstellung hat der Prüfling zehn Minuten Zeit der Vorbereitung, um dann nach selbst erstelltem Handlungsplan den Auftrag auszuführen und innerhalb von 90 Minuten ein Arbeitsergebnis zu präsentieren. Dabei sind die Aufträge der Praxis der alltäglichen Abläufe im Weinbautrieb entlehnt.
Im ersten Aufgabenbereich „Traubenproduktion“ heißt die Aufgabe: „Neuanlage eines Weinbergs“. Hier war auf einer gerodeten Fläche eine Neuanpflanzung vorzubereiten. Grenzabstände sowie die Richtlinien für eine effiziente Bearbeitung und für beste Wachstumsbedingungen waren zu beachten.


Christian Kupper bereitet eine Neuanlage vor und wählt die Pfähle aus.
Christian Kupper bereitet eine Neuanlage vor und wählt die Pfähle aus.Foto: Frieder Zimmermann
Neuanlage eines Weinbergs planen und ausführen
Winkel sind zu berechnen, Zeilenbreiten festzulegen und eine Fläche abzustecken. Die Abstände von Setzreben und Pfählen werden festgelegt, Pfähle für die Endverankerung und für die Drahterziehung ausgewählt und für jeden Arbeitsgang das richtige Werkzeug ausgesucht.
Den gesetzlichen Anforderungen wird in diesem Prüfungsgang durch die Erbringung des Sachkundenachweises für die Arbeit mit Pflanzenschutzmitteln Genüge getan.


Clemens Rosenkranz beim reduktiven Abstechen eines auf der Hefe lagernden Weines.
Clemens Rosenkranz beim reduktiven Abstechen eines auf der Hefe lagernden Weines.© Frieder Zimmermann
Abstechen, entsäuern, schwefeln und sensorisch bewerten
Im zweiten Aufgabenbereich „Kellerwirtschaft“ war ein auf der Hefe lagernder Wein reduktiv abzustechen, eine Entsäuerung zu berechnen, der Schwefelbedarf eines Weines zu ermitteln und ein Wein sensorisch und analytisch zu bewerten. Dabei ging es um sauberes Arbeiten, um sorgfältigen Einsatz der technischen Geräte, die Beachtung der Kellerhygiene und die vollständige Durchführung der Arbeitsschritte in der richtigen Reihenfolge. Für eine abzufüllende Weinmenge war der Materialaufwand und die erforderliche Arbeitszeit für eine bestimmte Zahl von Mitarbeitern zu kalkulieren.
Im dritten Aufgabenbereich „Vermarktung“ drehte sich alles um eine Weinprobe mit Gastronomen in Hamburg. Das Projekt sollte umfassend geplant werden und begann mit dem Erstellen einer Checkliste.
Für die Probe wurden geeignete Weine in der erforderlichen Menge ausgewählt und die Probenfolge erstellt. Das benötigte Equipment musste ermittelt werden. Für den Vortrag vor den Gastronomen wurde eine auf das Publikum zugeschnittene Weinbeschreibung vorbereitet. Der Transport nach Hamburg sollte mit der Auslieferung von Wein an drei verschiedene Kunden verbunden werden. Hierfür war die Abwicklung mit Rechnungstellung inklusive Mehrwertsteuerausweisung und Skontoberechnung sowie Barzahlung vorzubereiten und die Verpackung und Verladung des Weins unter Beachtung der Vorschriften zur Ladesicherheit durchzuführen. Schließlich war die Weinprobe in Hamburg anzumoderieren und drei Weine (zwei eigene und ein Wein der Domäne Oppenheim) zu präsentieren.
Prüfungsleiter Steffen Bootz, Landwirtschaftskammer, hob den ehrenamtlichen Einsatz der Mitglieder des Prüfungsausschusses hervor, ohne den diese aufwendigen Prüfungen nicht durchführbar wären. Er dankte dem DLR, der Raiffeisen Waren-Zentrale, den Landmaschinenherstellern und nicht zuletzt den zahlreichen Weinbaubetrieben für die vielfältig geleistete Unterstützung. Das von den Absolventen gebotene Niveau sei überwiegend hoch gewesen. Es werde ein kompetenter und hoch leistungsfähiger Winzerjahrgang entlassen.

Frieder Zimmermann, lwk