Mit Österreich für den europäischen Weinbau

Deutscher und österreichischer Weinbau

Foto: Bettina Sieé
Der Deutsche Weinbauverband (DWV) und der Österreichische Weinbauverband gaben am 11. September im Ruppertsberger Weinkeller Hoheburg eine gemeinsame Pressekonferenz. Im Rahmen des Bad Dürkheimer Wurstmarkts, des größten Weinfests der Welt, unterstrichen die beiden Verbände ihre enge Zusammenarbeit und ihren gemeinsamen Einsatz für einen zukunftsfähigen Weinbau in Europa.
Alle weinbautreibenden Länder in Europa stehen vor sehr großen Herausforderungen, berichteten Ökonomierat Klaus Schneider, Präsident des Deutschen Weinbauverbandes, Johannes Schmuckenschlager, Präsident des Österreichischen Weinbauverbands und Vizepräsident der Versammlung der europäischen Weinbauregionen AREV und Abgeordneter zum Nationalrat.
Im Mittelpunkt standen die GAP-Reform nach 2027, die Zukunft des Pflanzenschutzes, die Ausbreitung der Flavescence dorée (Goldgelben Vergilbung) und der Nationale Wiederherstellungsplan der EU.
GAP: Weinsektor braucht ein eigenes Budget
Die Verhandlungen über die GAP nach 2027 gehen in eine entscheidende Phase. DWV und Österreichischer Weinbauverband begrüßen die Änderungsanträge im EU-Parlament zum Erhalt der bewährten Interventionen des Weinsektors und fordert die Rotationsbrache. Das beschlossene Weinpaket müsse in der GAP erhalten bleiben.
Beide Verbände fordern ein eigenständiges Budget für das Weinsektorenprogramm, die Beibehaltung der bisherigen EU-Finanzierungssätze und möglichst hohe EU-Anteile für sogenannte „grüne Maßnahmen“. Eine Renationalisierung der GAP lehnen beide Verbände ab, denn unterschiedliche Förderbedingungen gefährden den fairen Wettbewerb im EU-Binnenmarkt.
Klaus Schneider betonte, dass die Weinwirtschaft vor allem Planungssicherheit brauche. „Die GAP muss Mittel und Instrumente bereitstellen, sodass Umweltleistungen hono­riert werden können und Winzerbetriebe zugleich wirtschaft­lich arbeiten können“, erklärte Schneider.
Johannes Schmuckenschlager ergänzte: „Die spezifische Unterstützung des Weinsektors ist unverzichtbar. Wir brauchen einen verlässlichen europäischen Förderrahmen, der den Anforderungen des Weinbaus Rechnung trägt sowie Innovation und Nachhaltigkeit ermöglicht“.
Pflanzenschutzreduktion braucht Alternativen
Der Weinbau hat den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bereits deutlich reduziert. Weitere Reduktionen können aus Sicht von DWV und Österreichischem Weinbauverband nur mit wirksamen, praxistauglichen Alternativen gelingen. Die Verbände fordern eine schnellere Verfügbarkeit geeigneter Pflanzenschutzmittel und die Zulassung von Kaliumphosphonat im Öko-Weinbau. Die Zulassungspolitik müsse die Bedingungen einer Dauerkultur stärker berücksichtigen.
Grenzüberschreitend gegen Flavescence dorée
Mit der zunehmenden Ausbreitung der Amerikanischen Rebzikade (Scaphoideus titanus) wächst die Gefahr der Flavescence dorée. Die Flavescence dorée ist in Österreich und Deutschland (Baden-Württemberg) eine große Gefahr für den Weinbau. DWV und Österreichischer Weinbauverband setzen auf intensives Monitoring, die Kontrolle des Rebpflanzguts sowie enge Zusammenarbeit von Praxis, Wissenschaft und Behörden.
Schmuckenschlager möchte eine nationale Task Force zur Bekämpfung der Flavescence dorée ins Leben rufen. Anfang Dezember plant der DWV eine Arbeitssitzung mit Berufsstand, zuständigen Ministerien, Verwaltung und Wissenschaft sowie Vertretern aus Österreich und dem Elsass. Dabei sollen die Situation bewertet und Ansätze für Monitoring, Prävention und Bekämpfung entwickelt werden. Offen ist auch die Entschädigung für die durch die Flavescence dorée verursachten Schäden. Die Verbände erwarten Lösungen von Bund und Ländern.
Wiederherstellungsplan: Naturschutz und Weinbau
Beim Nationalen Wiederherstellungsplan fordern der DWV und der Österreichische Weinbauverband eine praxisnahe Umsetzung gemeinsam mit den Winzern. Biodiversitätsmaßnahmen sollten freiwillig, wirksam und honoriert erfolgen. Die wirtschaftliche Grundlage dürfe nicht gefährdet werden. „Weinbau ist Teil unserer Kulturlandschaft und selbst ein wichtiger Beitrag zur Biodiversität“, sagte Klaus Schneider.
Gemeinsam für einen zukunftsfähigen Weinbau
Gerhard Brauer, Vorsitzender des Verbands Deutscher Weinexporteure und Geschäftsleiter des Ruppertsberger Weinkellers Hoheburg. Brauer berichtete vom aktuellen Weinexport, der sich vor allem in Skandinavien positiv entwickle. Die Wettbewerbsfähigkeit müsse im Blick behalten werden. „Jede zusätzliche Belastung der Betriebe gefährdet unsere Wettbewerbsfähigkeit“, so Brauer. DWV und Österreichischer Weinbauverband intensivieren ihre Zusammenarbeit und setzen sich gemeinsam für einen wettbewerbsfähigen, nachhaltigen Weinbau ein. DWV/bs