Ostern 2016: Eierfunde in Frankens Weingütern

© Gebietsweinwerbung Franken
Sie sind mannshoch, aus grauem Beton, fassen 900 Liter und sehen aus wie überdimensionale Ostereier. Klarer Vorteil für den Osterhasen: Diese Eier sind quasi unzerbrechlich und er muss sie auch nicht anmalen. Ihr Beton-Grau ist gewünschter Kontrast zwischen Holzfässern und Stahltanks in den fränkischen Weinkellern. Deutlicher Nachteil: viel zu schwer. Mit Inhalt wiegt jedes Ei knapp drei Tonnen. Deshalb hat sich der Osterhase dafür entschieden, sie dort zu lassen, wo sie sind. Die Füllung der außergewöhnlichen Eier: Keine Schokolade, sondern Silvaner aus den Premiumlagen Weinfrankens. Dort widmet sich ein halbes Dutzend Winzer seit einigen Jahren dem Wein-Ausbau im Beton-Ei. Die Weine, die darin reifen – so sagen sie – haben eine besonders ausgeprägte mineralische Struktur. Fachleute behaupten, der Wein liebe es, sich frei im Ei bewegen zu können. Keine störenden Ecken und Kanten oder sonstige Hindernisse – stattdessen ein Leben im Goldenen Schnitt. Wem würde das nicht gefallen? Und schließlich ist das Ei die Urform des Lebens.

Experiment Beton-Ei
Gestartet wurde das Experiment „Beton-Ei“ in Franken 2008 von den Winzern Ludwig Knoll und Rainer Sauer. Beide hatten sich jeweils ein solches Ei für ihren Weißweinausbau angeschafft und begaben sich damit auf oenologisches Neuland. Nicht so sehr, was die Form betrifft, denn das Ei ist im Weinbau eine Hommage an die „Ur-Önologen“ aus Georgien: Dort werden die Weine auch heute noch in ovalen Kvevris ausgebaut – großen Tongefäßen, die vollständig im Boden eingegraben sind. Vielmehr stieß das Material Beton in der Branche zunächst auf Skepsis. Ein Baustoff als Wiege für ausgezeichnete Weine? Das warf Fragen auf. Beantwortet wurden diese mit den ersten Verkostungen. Und siehe da: Die im Beton-Ei gereiften Weine überzeugten Kritiker, Kenner und Kunden gleichermaßen. Sie brillierten mit einer besonders mineralischen Spannung – fast salzig spiegelten sie ihre Herkunft.

So lebt der Wein im Ei
In der Eiform kann sich der Wein während der Gärphase und bei der Lagerung frei fließend bewegen. Das soll die Zirkulation der Weininhaltsstoffe begünstigen und die Aufnahme winziger Sauerstoffmoleküle durch die feinen Poren der Betonwand positiv beeinflussen. Ziel ist ein besseres Wachstum der Weinhefen bei Gärbeginn und eine optimale Weinreifung. Die Materialien des Beton-Eis sind übrigens ganz natürlich: Sand, Wasser, Kies und ein wenig Trass-Zement. Fränkische Weingüter mit einem oder mehreren Beton-Eiern: Landesanstalt für Wein- und Gartenbau, (Veitshöchheim), Weingut Baldauf (Ramsthal), Weingut Rudolf May (Retzbach), Weingut Roth (Wiesenbronn), Weingut Rainer Sauer (Escherndorf), Weingut am Stein (Würzburg) und Weingut Artur und Daniel Then (Sommerach).
Fränkischer Weinbauverband/Gebietsweinwerbung Franken