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Rheinland-Pfalz: 21. WeinMarketingtag

Das Kompetenzzentrum Weinmarkt & Weinmarketing Rheinland-Pfalz veranstaltete Mitte November den 21. WeinMarketingtag Rheinland-Pfalz unter dem Motto „Direktvermarktung vor neuen Herausforderungen“. In der Aula des DLR RNH in Oppenheim kamen rund 200 Teilnehmer zusammen.
Als erste Referentin berichtete Ekaterina Arlt-Kalthoff, Arlt Marketing und Trainerin an der Empfehlungsmarketing Akademie, von ihren Erfahrungen zum Empfehlungsmarketing. In der heutigen „Gesellschaft der Mittelmäßigkeit“ hätten viele laut Arlt-Kalthoff den „Blick auf den Kunden verloren“. Um den Kunden dazu zu bringen, das Unternehmen weiterzuempfehlen, müsse der Einkauf zu einem Erlebnis voller Begeisterung werden. Hierbei sei die Mundpropaganda nur ein kleiner Teil. Der Trend geht in den Online-Bereich. Bewertungsportale und Erfahrungsberichte sind langlebig, über Jahre hinweg online abrufbar und erreichen so immer wieder aufs Neue Kunden.

Aktive Kundenbindung
Reiner Flick, Inhaber und Betriebsleiter des Weinguts Joachim Flick in Flörsheim-Wicker, zeigte die Entwicklung seines Weinguts auf. Flick hat es geschafft, aus einem kleinen Weingut einen großen Event-Betrieb aufzubauen. So finden mittlerweile über
10 000 Gäste durch Hochzeiten, Geburtstage, Tagungen oder andere Veranstaltungen jährlich den Weg in sein VDP-Weingut. Hierfür macht Flick auch die
einmalige Lage mitten im
Rhein-Main-Gebiet verantwortlich. Durch Angebote wie Freiluftopern, Lesungen oder kulinarische Seminare an die bestehenden Kundenkontakte betreibt er aktive Kundenbindung. Laut Flick sind besonders die Kooperationen mit starken Partnern und die persönliche Einstellung des Unternehmers wichtig.

Online-Vermarktungsplattformen
Bernd Wechsler vom Kompetenzzentrum Weinmarkt & Wein-
marketing berichtete über neue Online-Vermarktungsplattfomen und daraus entstehende Chancen für Winzer. Bei den vielen verschiedenen Plattformen, wie WirWinzer.de oder geileweine.de ist für jede Zielgruppe online etwas dabei. Eine Umfrage unter Winzern ergab, dass der Verkauf über Plattformen eine gute Chance ist, den eigenen Online-Shop jedoch nicht ersetzen kann.

Service und Kundennähe zahlen sich aus
Das Weingut Rollanderhof aus Saulheim hat eine besondere Absatzstrategie. Das Weingut vermarktet seine gesamte Produktion auf Wochenmärkten rund um Frankfurt und in der Frankfurter Kleinmarkthalle. Brigitte Thörle-Weyerhäuser stellte den Werdegang des Familienweinguts vor und berichtete über die Herausforderungen bei dieser Art der Vermarktung. Mittlerweile beschäftigt das Weingut 30 Festangestellte und 50 Mini-Jobber, um den Arbeitsaufwand dieser Vermarktungsart zu bewältigen.

Deutscher Wein in der Gastronomie
Anhand einer Befragung verschiedener Gastronomen zeigte Christian Frens, Geschäftsführer der Sommelier-Consult GmbH, wie wichtig die Gastronomie als Partner und Multiplikator sein kann. Als Gast befindet sich der potenzielle Kunde immer in einer entspannten Atmosphäre und hat die Chance, den Wein in verschiedenen Situationen zu verkosten, entweder als Solist oder als Speisebegleiter. Der Gastronom kann ohne direktes Verkaufsgespräch eine Empfehlung geben. Doch um die Empfehlung langfristig abspeichern zu können, braucht der Gast eine griffige, unterhaltsame Geschichte über den Winzer, die dieser dem Gastronom vorher liefern muss. Der Winzer muss sich ein Alleinstellungsmerkmal schaffen, um sich zunächst für den Gastronom und später auch für den Gast interessant zu machen. Von dieser Art der Kooperation profitiert schließlich  auch der Gastronom, da der Winzer ihm Kunden ins Restaurant schickt.

Wann’s Licht brennt, isch uff – Direktvermarktung auf pfälzisch
Zum Abschluss erzählte Bernhard Koch die Geschichte seines Hainfelder Weinguts und wie er es zum Erfolg gebracht hat. In seiner eigenen Qualitätspyramide führt er sowohl Alltagsweine als auch hochwertige Spitzenweine. Er bietet seinen Kunden im Weinpavillion einen beliebten Anlaufpunkt, um die Weine zu genießen und überzeugt durch seine Authentizität. So stellte Koch auch die „Kollektion des Jahres“ im Gault&Millau 2014, was für sein Konzept spricht. Laut Koch ist ein „Wachstum in Qualität gesünder als ein Wachstum in Quantität“. 
 Lisa Rettig