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Rheinland-Pfalz: Boden- und Weindiversität

Foto: Andrea Kerth
Foto: Andrea Kerth
Boden des Jahres 2014 ist der Weinbergsboden – was passte also in diesem Jahr besser, als zu einer spartenübergreifenden Fachtagung unter dem Titel Boden- und Weindiversität einzuladen? Genau das tat das DLR Rhein­pfalz zusammen mit der Hochschule Geisenheim University, dem Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz und dem Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie.

Weinbergsboden ist gefragt
Das Thema Weinbergsboden liegt nicht nur bei Flaschenweinvermarktern im Trend und so stieß das fachlich spannende und abwechslungsreiche Programm auf sehr viel Interesse. Und die daraus folgende logistische Herausforderung meisterte das Team des DLR Rheinpfalz mit viel Improvisationstalent und vollem Einsatz. „Ich verspreche mir von dieser Tagung neue Impulse für die Forschung und genauso für die Praxis“, erklärte Dr. Günter Hoos als Leiter des DLR Rheinpfalz. „Denn wir können bei 180 Teilnehmern nicht nur Gäste aus Österreich, Italien und Luxemburg, sondern vor allem auch 70 Winzerinnen und Winzer begrüßen.“

Infos zu Standort und Boden
Zum Auftakt gingen mehrere Referate rund um Bodenklassifikation, Zonierung und Bodenschutz quasi gleich in die Tiefe. Welch erheblicher Aufwand hinter der Bodenkartierung im Zuge einer Klassifikation von Weinbergsböden steckt, erklärte Ernst-Dieter Spies vom Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz. Schließlich zeigt sich beim Blick auf den Substrataufbau, dass diese Böden durch den Menschen sehr stark verändert wurden. Die Bereitstellung von Boden- und Standortinfos wiederum hat in Hessen und Rheinland-Pfalz eine lange Tradition, wie Klaus Frie­drich vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie aufzeigte. Genau Infos kann man etwa über den StandortViewer heraussuchen, im Internet unter http://weinbaustandort.hessen.de  und für Rheinland-Pfalz unter www.lgb-rlp.de zu finden.

Einfluss auf Weininhaltsstoffe
Der zweite Vortragsblock widmete sich wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Verhältnis von Böden und Weininhaltsstoffen. Wie sich die sensorische Prägung von Riesling durch das Terroir wissenschaftlich belegen lässt, illustrierte Prof. Ulrich Fischer vom Kompetenzzentrum Weinforschung am DLR Rheinpfalz. Über fünf Jahrgänge hinweg wurden Weine aus 25 Parzellen sensorisch analysiert. So konnte das Terroir hier als Quelle für ein authentisches sensorisches Weinprofil identifiziert werden, was maßgeblich zur Vielfalt der Weine beitrug. Dabei ist laut Fischer eine defensive Kellerwirtschaft gefragt, um subtile sensorische Unterschiede herauszustellen.
Über die Differenzierung von Riesling-Terroirs anhand von Aromastoffanalytik sprach Hans-Georg Schmarr, Kompetenzzentrum Weinforschung. Mithilfe des sogenannten 1H-NMR-Profilings konnten die untersuchten Weine zum Teil klar anhand ihrer Herkunft unterschieden werden. Um die Terroir-Information weiter aufzuschlüsseln, sind hier aber weitere Untersuchungen nötig.

Einfluss auf die Sensorik
Während Christian von Wallbrunn, Hochschule Geisenheim University, der Frage nachging, ob es ein Terroir der Hefen gibt, gab es auch interessante Einblicke in die Weinforschung in Euro­pa und down under. So stellte Ulrich Pedri, Versuchszentrum Laimburg in Südtirol, mehrere Sorte-Lagestudien mit Weißburgunder, Sauvignon blanc und Gewürztraminer vor.
Der Aromastoff Rotundon sorgt im australischen Shiraz für die gesuchten Pfeffernoten – wie das Australian Wine Research Institute, Adelaide, im Moment den Einfluss des Terroirs auf Vorkommen und Konzentration dieses Sesquiterpen in einem Weinberg von Mount Langi Ghiran erforscht, zeigte der anschauliche Vortrag von Mark Krstic.
Ums Terroir ging es natürlich auch bei der fachlichen Weinprobe, moderiert von Sommelière Christina Fischer und Prof. Ulrich Fischer, bevor sich freitags dann die Vorträge mit Aspekten von Bodenmanagement, Humusgehalt, Stoffaustrag, Bodenmikrobiologie und nachhaltiger Bodenpflege befassten.    
ak