Die rheinland-pfälzische Weinbauministerin Daniela Schmitt hat ein klares Bekenntnis zum Kulturgut Wein gefordert, um die anhaltende Absatzkrise zu überwinden: Verbraucher, aber auch die Politik müssten auf allen Ebenen dazu beitragen, dass die Weinwirtschaft wieder in Schwung komme, wichtige Wertschöpfungsketten im ländlichen Raum gestärkt würden und die Weinkulturlandschaften erhalten blieben. Sie unterstützt die klare Forderung des Deutschen Weinbauverbands (DWV), den „weinbaupolitischen Stillstand auf Bundesebene“ zu beenden. Die Landesregierung leiste mit dem Weinbaupaket 2025+ ihren Beitrag.
„Ohne Weinbau wäre Rheinland-Pfalz nicht Rheinland-Pfalz. Deshalb setzen wir alles daran, dass unsere Winzerinnen und Winzer die Unterstützung bekommen, die sie verdienen – für starke Betriebe, für lebendige Weinregionen und für die Zukunft unseres Landes“, sagte Ministerin Schmitt.
Von Weinmarketing bis Bürokratie
Die zentralen Maßnahmen des Weinbaupakets 2025+ umfassen unter anderem:
Weinmarketing stärken, Absatz fördern: Das Land stellt jährlich über 3 Mio. Euro für Vermarktung, Imagekampagnen und Gemeinschaftswerbung bereit. Rheinland-Pfalz unterstützt zudem die Erschließung neuer Exportmärkte, etwa durch Messeauftritte in Japan, den USA oder Indien.
Angebotsminderung erreichen: Mit einer restriktiveren Vergabe von Neuanpflanzungsrechten und flexibleren Rückgabemöglichkeiten für Pflanzrechte wird eine Ausweitung des Angebots gebremst. Zusätzliche Räumungsmöglichkeiten im Rahmen der Umstrukturierung helfen, den Markt zu stabilisieren und Betrieben Spielraum für spätere Neupflanzungen zu verschaffen.
Innovation und Wissenstransfer fördern: Rund 15 Mio. Euro fließen bis 2027 in Forschungs- und Innovationsprojekte. Beratung, Ausbildung und praxisnahe Forschung werden gezielt gestärkt, damit Innovation schneller im Betrieb ankommt.
Bürokratie abbauen – Praxis vereinfachen: Rheinland-Pfalz treibt die Digitalisierung von Verwaltungsverfahren voran, etwa bei Investitionsanträgen oder im WeinInformationsPortal. Ziel ist es, Verfahren schlanker und unbürokratischer zu machen.
Stabile Unterstützung sichern: Jährlich fließen rund 32 Mio. Euro aus der Ersten Säule der GAP sowie weitere 20 Mio. Euro aus der Zweiten Säule in den Weinbau. Hinzu kommen verbesserte Förderinstrumente wie die Anhebung der Zuschüsse für Ernteversicherungen auf 200 Euro pro Hektar oder die vereinfachte Weininvestitionsförderung.
Nachhaltigkeit belohnen – gezielte Umwelt- und Klimaförderung: Mit 2,4 Mio. Euro jährlich fördert das Land ab 2025 die Pheromonanwendung zur nachhaltigen Schädlingsbekämpfung. Daneben werden gezielt Steillagenbewirtschaftung, Öko-Weinbau und andere umweltschonende Produktionsweisen unterstützt.
Appell an Verbraucher und Marktpartner – Das Land ruft Verbraucher, Kellereien und Handel dazu auf, auf regionale Herkunft und Qualität zu achten. Wer zu heimischem Wein greift, stärkt die Weinwirtschaft, erhält Wertschöpfungsketten im ländlichen Raum und trägt zum Schutz unserer Weinkulturlandschaften bei.
Gemeinsames Treffen geplant
Auf Initiative von Ministerin Daniela Schmitt und Hessens Weinbauminister Ingmar Jung wird es ein erstes Treffen aller Minister der weinbautreibenden Bundesländer geben. „Nur mit einer starken gemeinsamen Stimme können wir auf Bundes- und EU-Ebene die dringend notwendigen Veränderungen in der Weinbaupolitik erreichen“, so Schmitt.
Schnell durchzusetzende Maßnahmen benötigt
Die Weinbauverbände Rheinhessen und Pfalz bewerten das vorgelegte Weinpaket 2025+ grundsätzlich positiv. „Darin werden viele Punkte aufgeführt, die seit vielen Monaten auch seitens der Branche angestoßen wurden. Die Landesregierung zeigt, dass sie den Ernst der Lage erkannt hat und die Winzerfamilien unterstützen möchte“, heißt es von den Verbänden. Um sich aber im starken Wettbewerb zu behaupten und zusätzliche Marktanteile zu gewinnen, sei insbesondere der Ausbau von Marketingaktivitäten von entscheidender Bedeutung. Darüber hinaus sollte der Fokus laut den Verbänden vor allem auf Maßnahmen liegen, die schnell auf den Weg gebracht werden können. Hierzu gehöre unter anderem ein europaweiter, absoluter Anbaustopp. Zur direkten Entlastung der Betriebe würde zudem die zeitnahe Einführung der Rotationsbrache beitragen, bei der die übergangsweise Rodung von Weinbergen mit Biodiversitätsleistungen verknüpft und entsprechend honoriert wird.
Darüber hinaus habe es in der Vergangenheit bereits viele gute Ideen gegeben, die bisher aber an rechtlichen Hürden oder an zu langen Umsetzungszeiträumen gescheitert seien. „Grundsätzlich erwarten die Winzerinnen und Winzer aus Rheinhessen und der Pfalz vor dem Hintergrund der derzeitigen Herausforderungen auf allen politischen Ebenen schnelles, pragmatisches und lösungsorientiertes Handeln“, so die Weinbauverbände Rheinhessen und Pfalz. mwvlw/red