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SCHWEIZ

Schweizer Weinbauern reduzieren Pflanzenschutz

Foto: Thomas Günter
Foto: Thomas Günter
Obwohl der vom Preisdruck geprägte Markt immer höhere Qualität verlangt und die Wetterereignisse zunehmen, nehmen in der Schweiz auch die Diskussionen über Pflanzenschutzmittelrückstände im Wein zu. In Benken im Kanton Schaffhausen diskutierten Pflanzenschutzberater und Rebleute über die Pflanzenschutzstrategien im Rebbau. „Kleinste Mengen von Spritzmittelrückständen sind nachweisbar, da wird nicht mehr über den Grenzwert diskutiert“, bemerkte der Pflanzenschutzberater Gody Sigg.
 
Versuche zur Pflanzenschutzreduktion
Michael Gölles, der neue Leiter der gemeinsamen Fachstelle Rebbau der Kantone Zürich,
Schaffhausen und Thurgau berichtete von dreijährigen Versuchen mit rückstandsreduziertem Pflanzenschutz, die er als Projektleiter an der Forschungsanstalt Agroscope in Wädenswil durchführte. Da mittlerweile viele Betriebe auf Herbizide verzichten und bei der Insektenbekämpfung auf Verwirrungstechnik und natürliche Gegenspieler setzen, wurde das Hauptaugenmerk auf Fungizide gesetzt. Im Normalfall werden sieben bis neun Behandlungen durchgeführt. Die Versuchsziele waren die Anzahl der Spritzmittelrückstände in den Trauben, sowie den chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteleinsatz zu reduzieren. Gölles zog das Fazit, dass eine Alternativstrategie mit reduziertem Pflanzenschutz möglich ist, wenn begleitende Maßnahmen in der Kulturführung konsequent umgesetzt werden und eine geeignete Applikationstechnik vorhanden ist. Die Alternativstrategie erfordere allerdings eine höhere Risikobereitschaft und Flexibilität. Der Einsatz von chemisch-synthetischen Mittel sowie Rückstände in den Trauben konnten deutlich verringert werden.
 
Spritzen hat ein schlechtes Image
Gody Sigg erklärte, dass Vitiswiss, der Schweizerische Verband für eine nachhaltige Entwicklung im Weinbau, zusammen mit Schweizer Pflanzenschutzfirmen das gemeinsame Ziel verfolge, rückstandsfreie Spritzpläne zu erstellen. Im Jahr 2017 wurden von den Spritzmittelfirmen Versuche mit firmenspezifischen Spritzplänen gemacht und Rückstandsanalysen erstellt. Reto Flückiger, Fachbereichsleiter Weinbau bei Andermatt Biocontrol erklärte eine alte Strategie der deutschen Biowinzer, um den Kupfereinsatz zu reduzieren. Dabei kommen Wirkstoffe wie Kaliumphosphonat, Netzschwefel, Fenchelöl oder Algenextrakt zum Einsatz. Flückiger empfahl den Winzern, sich langsam an die Biostrategie heranzutasten. Winzer Rolf Schenk wies darauf hin, dass es beim Konsumenten nicht gut ankommt, wenn er im Rebberg eine 10 m hohe Dampfwolke sieht. „Das sorgt für einen ähnlich negativen Eindruck, wie wenn im Wein Spritzmittelrückstände gefunden werden“, so Schenk. Er riet den Winzerkollegen, am Spritzgerät die obersten zwei Düsen mit Injektordüsen zu bestücken. Thomas Güntert