Vereinigte Hagel: Mehrfachschäden belasten Betriebe

Unwetter und Trockenheit haben der deutschen Landwirtschaft 2026 stark zugesetzt. Bis Anfang September registrierte die Vereinigte Hagel in Deutschland nach eigenen Angaben rund 18.000 Hagelschadenmeldungen. Die Entschädigungsleistungen belaufen sich laut der Vereinigten Hagel auf rund 115 Mio. €. Besonders auffällig ist die Häufung der Ereignisse: Viele Betriebe wurden innerhalb kurzer Zeit mehrfach getroffen. Eine modellhafte Hochrechnung zeigt ein landesweites Schadenvolumen von bis zu 300 Mio. € – bezogen auf versicherte und nicht versicherte landwirtschaftliche Flächen.
Damit wird 2026 nach Angaben der Vereinigten Hagel zu einem eindrücklichen Beispiel dafür, wie stark Wetterextreme die wirtschaftliche Stabilität landwirtschaftlicher Betriebe gefährden. Besonders deutlich wurde dies Mitte Juli: Innerhalb von nur 48 Stunden wurden rund 100.000 Hektar geschädigte Fläche gemeldet: Die erwartete Entschädigungsleistung lag bei mindestens 50 Mio. €. Betroffen waren nahezu alle relevanten Kulturen – von Weizen, Raps, Mais, Zucker­rüben und Kartoffeln bis hin zu Sonderkulturen und Wein.
Mehrfachschäden ­werden zum Problem
Für Betriebe wird es besonders kritisch, wenn mehrere Schäden in einer Saison zusammenkommen. Ein Beispiel: Erst schwächt Trockenheit die Bestände, später zerstört Hagel zusätzlich Ertrag und Qualität. Bis Anfang September 2026 waren 1.100 Betriebe an mindestens zwei verschiedenen Tagen von Hagel betroffen – rund jeder achte Betrieb mit Hagelmeldung.
Damit verändert sich auch das wirtschaftliche Ausmaß des Schadens. Ein Betrieb, der aufgrund der langen Trockenheit bereits mit Ertragseinbußen rechnen musste, verfügt bei einem hinzukommenden Hagelschaden über deutlich weniger finanziellen Spielraum. Gleichzeitig laufen die Kosten für Personal, Maschinen und Betriebsmittel weiter.
Risikomanagement für die betriebliche Resilienz
„Wir sollten nicht nach jedem Extremwetterereignis neu über staatliche (Ad-hoc-)Hilfen diskutieren – es braucht vielmehr eine planbare Vorsorge. Sinnvoll ist eine Kombination aus betrieblicher Eigenverantwortung, leistungsstarken Ernteversicherungen und staatlichen Förderinstrumenten, damit Absicherung wirtschaftlich tragfähig bleibt“, betont Dr. Philipp Schönbach, Vorstandssprecher der Vereinigten Hagel.
Bayern hat mit der Förderung der Mehrgefahrenversicherung laut der Vereinigten Hagel bereits einen großen Schritt in diese Richtung unternommen. Für 2026 werden dort definierte Mehrgefahrenpakete mit bis zu 50 Prozent bezuschusst. Ziel ist es, Eigenvorsorge, Liquidität und Existenzsicherung landwirtschaftlicher Betriebe zu stärken. Ausgehend vom bayerischen Modell sollte geprüft werden, wie solche Instrumente bundesweit weiterentwickelt und möglichst einheitlich gestaltet werden können. Denn in vielen europäischen Ländern werden Mehrgefahrenversicherungen bereits seit Jahren mit staatlichen Mitteln gefördert. Dies führt nach Einschätzung der Vereinigten Hagel zu Wettbewerbsverzerrungen für deutsche Betriebe.