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SCHWEIZ

Vollernter, KEF und mehr

Foto: Thomas Güntert
In Löhningen trafen sich 150 schweizer Reb- und Weinfachleute zum Weiterbildungsmorgen, des Schaffhauser Branchenverbands „Blauburgunderland“. „Glücklicherweise war 2017 ein schwieriges Jahr, für uns war es ein ideales Jahr zum Starten“, sagte Martin Beugger, der im letzten Jahr erstmals seinen  Traubenvollernter auch im Blauburgunderland einsetzte. Bisher standen die qualitätsbewussten Schaffhauser Winzer dieser Technologie eher skeptisch gegenüber. Lediglich die große Volg-Kellerei hat eine Vollerntemaschine. „Mit dem Traubenvollernter will man die Lohnkosten insbesondere dort reduzieren, wo die Stundenlöhne hoch sind“, sagte Christian Penet (Firma Grunderco). Martin Beugger sieht sogar Qualitätsvorteile gegenüber der Handlese, da grüne und trockenfaule Beeren am Stock hängen bleiben. Zudem sei die maschinelle Lese etwa 20 Prozent billiger. Sein Lohnunternehmen verlangt 35 Rappen pro Laufmeter, was 1 750 Franken pro ha entspricht. Bei erschwerten Bedingungen wird ein Aufschlag verlangt. Von der Kirschessigfliege (KEF) befallene Beeren können aber nur durch Handvorlese aussortiert werden, was die Kalkulation auf den Kopf stellen kann.
 
KEF-Projekt in Hallau
Nadine Brinkmann lieferte interessante Ergebnisse vom KEFProjekt, bei dem sie in Hallau 2 300 relevante Objekte kartierte und zwischen einer Spätburgunderparzelle und einer Beerenhecke ein vier Meter hohes Netz aufstellte. In den Reben stellte sie danach deutlich weniger KEFEiablagen fest als in der Hecke. Da sich die KEF vorzugsweise in Hecken aufhält, werden Köderfallen in exponierten Brombeer- oder Holunderhecken aufgestellt. Brinkmann bemerkte, dass sie die höchsten Fangzahlen mit frischer Köderflüssigkeit erzielen konnte und man die alte Köderflüssigkeit problemlos in der Hecke entsorgen kann. Die Projektleiterin testete auch die Wirkungsweise von Riga Becherfalle, Schneider Großfalle, Kübelfalle, Stähler Falle und der PET-Flasche. Fallen mit den größten Gefäßoberflächen waren am effektivsten und am schlechtesten schnitt die PETFlasche ab. Bei der Kosten-Nutzen-Berechnung war die StählerFalle die Beste. Die wöchentlichen Kosten lagen zwischen 13 Rappen und zwei Franken.  Rebbaukommissär Markus Leumann bemerkte, dass die Ernte im Blauburgunderland etwa ein Drittel geringer als gewöhnlich ausfiel und dass es durch den Frost schweizweit an Weißweinen fehlt.  Thomas Güntert