Das Forum Export des Deutschen Weininstituts (DWI) beleuchtete am 28. Oktober im Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) in Oppenheim Chancen und Herausforderungen des Weinexports. Das DWI gab interessierten Weinerzeugern Einblicke in wichtige Exportmärkte sowie Informationen für den Ausbau der Exportaktivitäten. Durch den rückläufigen Inlandsmarkt wird der Export für viele Betriebe zu einem zunehmend wichtigen Standbein. Elf Vertreter der DWI-Auslandsbüros (USA, Großbritannien, Japan, Niederlande, Polen, Schweiz, Schweden, Finnland, Norwegen, China und Tschechien) standen den Teilnehmenden für Gespräche bereit.
Land und Bund unterstützen Absatz
„Rheinland-Pfalz ist mit rund 66.000 der insgesamt 100.000 Hektar Rebfläche Deutschlands Weinbauland Nummer 1 und mit 85 % der Hauptexporteur deutscher Weine", betonte die rheinland-pfälzische Weinbauministerin Christine Schneider die Bedeutung des Weinbaus für ihr Bundesland. Rheinland-Pfalz und BMLEH unterstützen die Weinerzeuger auf Vermarktungsebene durch Absatzförderungsmaßnahmen in Drittlandsmärkten wie Indien. Dafür hat das Land 1 Mio. Euro bereitgestellt. Schneider erläuterte die Möglichkeiten durch die Teilnahme an internationalen Veranstaltungen sowie Messen und Ausstellungen.
Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) unterstütze den Export der Weinbaubetriebe durch Beteiligungsmöglichkeiten an Geschäftsreisen, um Kontakte für den Export zu knüpfen. Die Ministerin dankte den Winzern für das Engagement für den Wein und will einen engen Austausch mit der Praxis und den Verbänden, um weitere Strategien und Verbesserungen zu erreichen.
Schweden: Export wächst gegen den Trend
Der Export deutscher Weine hat sich in diesem Jahr in Schweden ausgesprochen positiv entwickelt. Wie der Leiter des Stockholmer Wines of Germany-Büros, Jan Dworsky, berichtete, wuchs der Absatz deutscher Weine über das schwedische Monopol Systembolaget in den ersten neun Monaten 2026 um 10 % und der Umsatz um 11 %. Der Zuwachs basierte auf der starken Nachfrage nach deutschen Weißweinen und erfolgte gegen den Trend im um 2 % schrumpfenden schwedischen Weinmarkt.
Importeur Jörgen Lindström Carlvik, Founder & CEO von Brix Wine Consultants, Schweden, bestätigte, dass die deutschen Weißweine, vor allem Riesling, sehr beliebt seien, auch als Bag in Box. Ebenso lassen sich Burgundersorten verkaufen.
Aus Finland berichtete Weinimporteur Dr. Martin Nordell von Delta Wines Finland Oy. Der Weinkonsum gehe auch in Finnland zurück, aber deutsche Rieslinge haben ein gutes Image, auch Burgunder, Rotweine (weil nicht so hoch im Alkohol) und Sekt. Tetrapacks laufen top.
Prof. Dr. Simone Loose und Dr. Christoph Kiefer von der Hochschule Geisenheim University nannten „Erfolgsfaktoren im Export“ am Beispiel von Ergebnissen aus der Geisenheimer Absatzanalyse (lesen Sie hierzu ab Seite 33).
Viel Aufwand – personell und finanziell
Eine Gesprächsrunde gab Einblick in die Praxis. Die Weinerzeuger waren sich einig, dass der Einstieg in den Export sehr aufwendig sei und sorgfältige Vorbereitung erfordere. Export brauche Zeit, Geld und viel Ausdauer. Wenn auf einer Messe ein Kontakt geknüpft sei, beginne die Arbeit erst. Das menschlich gute Verstehen sei nicht zu unterschätzen. Beziehungen müssen gepflegt werden. Wenn der Wein ankommt, sollte man für Verkostungen vor Ort sein. Man sollte seine Betriebszahlen kennen und richtig kalkulieren. Wichtig sei auch ein professioneller Auftritt bei Preislisten usw. Die exportierenden Winzer lobten die IHK Trier für die Hilfe bei der zolltechnischen Abwicklung des Weinexports.
Ein Viertel der Weinexporte geht in den Norden
Schweden, Norwegen, Finnland und Dänemark haben sich in den letzten Jahren zu wichtigen Exportmärkten für deutsche Weine entwickelt. Alle zusammen hatten im ersten Halbjahr 2026 einen Anteil von einem Viertel an den gesamtdeutschen Weinausfuhren.
USA bleibt schwieriger Markt
Die USA haben nur noch einen Anteil von 9 % an der deutschen Weinexportmenge. Die anhaltenden Zölle und ein schwieriges Marktumfeld haben von Januar bis Juni 2026 zu einem Minus von jeweils 11 % in der Menge und im Wert der Weinausfuhren geführt.
Stabile Weinexporte im ersten Halbjahr 2026
Mit 600.000 Hektolitern blieben die Gesamtexporte deutscher Weine im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahr stabil, bei einem leicht um 3 % rückläufigen Gesamtwert von 186 Mio. Euro. Melanie Broyé-Engelkes, Geschäftsführerin des DWI sieht das gehaltene Exportniveau angesichts einer nahezu weltweit festzustellenden Weinkonsumzurückhaltung durchaus als Erfolg an. Als Grund für die stabile Entwicklung nennt sie die steigende Nachfrage nach leichteren, frisch-fruchtigen Weißweinen, die von den deutschen Weinexporteuren gut bedient werden.
Steffen Schindler berichtete von weltweiten DWI-Marketingaktivitäten und Messen 2027. Das DWI-Exportportal informiert über Marktstudien, Messen sowie Geschäftsreisen des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMLEH). Das DWI unterstützt die exportwilligen Betriebe gerne. bs