Weinbauverbände kooperieren stärker

Baden und Württemberg

Foto: Bettina Sieé
Die Weinbauverbände Baden und Württemberg gaben am 11. September in Sasbachwalden im Ortenaukreis erstmals eine gemeinsame Pressekonferenz, um über aktuelle Entwicklungen auf Landesebene zu informieren. Mit Blick auf die angespannte Situation auf dem deutschen Weinmarkt haben die beiden Weinbauverbände eine intensivere Zusammenarbeit vereinbart, um ihre Interessen besser zu vertreten. Es geht aktuell um die Weiterentwicklung der Schutzgemeinschaften und die Herkunftskommunikation für beide Weinbaugebiete.
Rainer Zeller, Präsident des Badischen Weinbauverbandes, ist davon überzeugt, dass ein enger Austausch und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit in der aktuell herausfordernden Situation der Weinbranche von zentraler Bedeutung sind.
Herkunftskommunika­tion weiter voranbringen
Württembergs Weinbaupräsident Dietrich Rembold betonte die Bedeutung der Herkunftskommunikation, die beide Verbände langfristig professionalisieren und verlässlich finanzieren wollen. Ziel sei es, den übergeordneten Wert sowie die Bekanntheit der Marken Baden und Württemberg zu stärken. Im Fokus stehe die Weiterentwicklung der Schutzgemeinschaften beziehungsweise der anerkannten Erzeugervereinigungen. Auf Bundesebene wollen sich die beiden Weinbauverbände für passende rechtliche Rahmenbedingungen einsetzen.
Der Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbandes, Holger Klein, betonte: „Wir präsentieren kein fertiges Modell, sondern sprechen über Aufgabenteilung, faire Finanzierung, schlanke Strukturen und eine rechtssichere Umsetzung.“ Die baden-württembergischen Verbände wollen nicht warten, bis in Berlin die letzten Details im Geoschutzrecht zur Finanzierung von Schutzgemeinschaften geklärt sind, sondern mit einem gemeinsamen Rechtsgutachten schnell Entwicklungsmöglichkeiten identifizieren. Mit ersten Ergebnissen sei noch im Laufe des Jahres 2026 zu rechnen.
Maßnahmen, die den Weinbau unterstützen
Zu Gast war Marion Gentges, Ministerin für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat. Sie begrüßt, dass die beiden Verbände ihre Interessen gemeinsam vertreten. Die Ministerin stellte Maßnahmen vor, um dem Weinbau zu helfen.
Wie Gentges erklärte, soll 2027 die Rotationsbrache eine Möglichkeit schaffen, auf den Strukturwandel zu reagieren. Gerodete Rebflächen können dann vorübergehend aus der Bewirtschaftung genommen werden. Das gebe den Betrieben Zeit, die weitere Ausrichtung und das eigene Geschäftsmodell, zu überdenken, ohne unmittelbar über eine dauerhafte Folgenutzung entscheiden zu müssen.
Das Landwirtschaftsministerium habe die Förderbedingungen im Weinbau verbessert. „Bei der Umstrukturierung von Rebflächen sind für pilzwiderstandsfähige Sorten zusätzlich bis zu 3.000 Euro/ha vorgesehen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung der Weinbauregionen. Dafür sollen Integrierte Ländliche Entwicklungskonzepte, kurz ILEK, noch stärker genutzt werden. Das Remstal habe diesen Weg eingeschlagen. Das Ministerium beschäftigt sich mit Kommunen, Weinbauvertretern und weiteren Beteiligten damit, wie Kulturlandschaft und Rebflächen langfristig weiterentwickelt werden können. Gerade für das Remstal mit seinen gewachsenen Weinbaustrukturen sei der regionale Ansatz richtig. Das ILEK für das Remstal wurde im Juli veröffentlicht.
Vor allem der Erhalt der Landschaft prägenden Steillagen soll stärker gefördert werden. Hier fehlen noch konkrete Angaben zur Ausgestaltung der zusätzlichen Unterstützung.
Auf bundespolitischer und europäischer Ebene setzt sich das Land dafür ein, dass der Weinbau auch nach 2027 in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) berücksichtigt wird – mit planbaren Förderbedingungen, einem eigenen, ausreichenden Budget und weniger Bürokratie.
Der Ministerin ist bewusst, dass politische Programme allein die Herausforderungen auf dem Weinmarkt nicht lösen können. Umso wichtiger sei der direkte Austausch mit denjenigen, die jeden Tag in den Weinbergen und Betrieben arbeiten. Deshalb appellierte Gentges, Themen zu benennen, bei denen das Ministerium unterstützen könne, die auf Landesebene zu bearbeiten seien. bs