Weinsektor fordert Entlastung

DWV informiert zur aktuellen Lage

Foto: Bettina Sieé
Der Deutsche Weinbauverband (DWV) hatte am 13. August nach Oestrich-Winkel ins Weingut Dr. Corvers-Kauter eingeladen, um über die Lage des deutschen Weinbaus vor der Ernte 2026 zu informieren.
Wegen der trockenen Vegetationsperiode erwarte die Weinbranche nach aktuellem Stand eine eher kleine Ernte. Entscheidend sei aber das Wetter in den nächsten Wochen, erklärte DWV-Präsident Ökonomierat Klaus Schneider. Auch qualitativ sei ein sehr guter Jahrgang zu erwarten. Sorgen bereite vielmehr die schwierige wirtschaftliche Situation durch rückläufigen Absatz, hohe Kosten und nicht deckende Preise. Der Weinbauverband fordert die Umsetzung des EU-Weinpakets auf nationaler Ebene, um anstehende Probleme anpacken zu können.
Als weitere Probleme nannte Schneider klimatische Risiken, neue Schädlinge und immerzu neue regulatorische Vorschriften. „Wir brauchen politische Entscheidungen, die den Betrieben Planungssicherheit geben und wirtschaftliches Arbeiten ermöglichen“, so Schneider.
Die EU hat die Krisendestillation und Rodungsprogramme auf den Weg gebracht. Die vom DWV geforderte Rota­tionsbrache ist immer noch nicht bundesweit umgesetzt. „Dennoch“, betont DWV-Generalsekretär Schwörer, „sind wir dem Bundesministerium für den Einsatz in Brüssel für die Weinbranche dankbar und begrüßen den im Vergleich zum vergangenen Jahr besseren Austausch.“
Der DWV fordert EU-weiten Anbaustopp
Die Marktsituation erfordert aus Sicht des DWV Entlastung. Der DWV fordert die Einführung eines Anbaustopps, um eine Vergrößerung der Rebfläche zu verhindern. DWV-Präsident Schneider ist überzeugt, dass angesichts der aktuellen Marktsituation das Produktionspotenzial gesteuert werden müsse, um dem Weinsektor langfristig eine Perspektive zu geben. „Hierfür ist der Anbau-
stopp ein wichtiger Schritt, weitere müssen folgen“, so Schneider. Im Sinn einer kurzfristigen Intervention unterstützt der DWV die Umsetzung der EU-­Möglichkeit der Krisendestillation für Rheinhessen und Württemberg.
Weinsektor braucht eigenes GAP-Budget
Die Verhandlungen über die GAP nach 2027 stehen erst am Anfang. Für den Weinbau geht es um eine zentrale Weichenstellung: Bleibt die spezifische Unterstützung des Weinsektors erhalten oder wird sie durch Renationalisierung und Fle­xi­bilisierung geschwächt? DWV-Generalsekretär Schwörer ist von den Positionierungen des Bundesministeriums in Brüssel enttäuscht: „Wir verstehen nicht, warum sich das BMLEH gegen ein festes Budget für die Weinbranche, gegen feste Co-Finanzierungsraten und gegen den Erhalt bewährter Interventionen stellt. Wir brauchen ein starkes GAP-Budget und starkes Weinsektorenprogramm“.
Schutzgemeinschaften handlungsfähig machen
Die Möglichkeiten des Geoschutzes werden in den deutschen Anbaugebieten bislang nicht ausreichend genutzt. Dazu gehören Möglichkeiten zur gemeinsamen Vermarktung, Kommunikation sowie zur Weiterentwicklung des Weintourismus. Deutschland hat mit der gesetzlichen Grundlage für die Finanzierung der Schutzgemeinschaften und Erzeugervereinigungen einen wichtigen Schritt gemacht. Die Umsetzung in einer Verordnung ist angekündigt, steht aber weiterhin aus.
Der DWV fordert, die Umsetzungsverordnung zur Finanzierung der Schutzgemeinschaften beziehungsweise Erzeugervereinigungen schnell zu erlassen. Erst damit erhalten die Organisationen die Grundlage, um sich finanziell und personell auszustatten und ihre Aufgaben wahrzunehmen.
Entbürokratisierung ernst meinen Green Claims und neue Verpackungsvorgaben beschäftigen die Weinbranche – wie nahezu die gesamte Wirtschaft in der EU – seit Monaten. Zwei neue EU-Vorgaben treten innerhalb von zwei Monaten in Kraft, die aus Winzern vor allem Schreibkräfte machen – und das, wenn die Lese unmittelbar bevorsteht. Hier werden honore Ziele durch die EU verfolgt, die Umsetzung ist jedoch praktisch nahezu unmöglich. „Da muss die EU nachbessern und kurzfristig praxistaugliche Regeln schaffen. Wir werden Betriebe verlieren – wegen Verpackungsrecht und Umwelt­aussagen. Das kann nicht im Sinne der deutschen oder europäischen Politik sein,“ fordern beide DWV-Vertreter.
Die neuen Vorgaben zum Verpackungsrecht (PPWR), die seit dem 12. August in Kraft sind, generieren aus Verbandsperspektive große Datenmengen in den Betrieben, einen hohen Verwaltungsaufwand und erhebliche Kosten, ohne dabei Verpackungen zu minimieren. Für DWV-Präsident Schneider liegt auf der Hand, dass alle Verpackungsmüll reduzieren wollen. „Durch neue Dokumentationspflichten und zusätzliche Belastung, insbesondere für die kleinen Betriebe, erreichen wir das jedoch nicht. Wir fordern eine Ausnahme für Kleinstunternehmen in und außerhalb der Weinbranche sowie Rechtssicherheit für die Betriebe.“
Nach Einschätzung des DWV gibt es trotz bereits geltender Regelungen noch zahlreiche offene Fragen, die ein erhebliches Risiko für die Betriebe bergen.
Regeln zur Nachhaltigkeitskommunikation
Ähnliches gilt im Bereich der Umweltaussagen und der EU-_EMPCO-Richtlinie, die am 27. September in Deutschland im UWG in Kraft tritt. Lösungen fehlen hinsichtlich der Übergangs- und Abverkaufsregelung. Generalsekretär Schwörer stellt dazu klar: „Wir wollen Greenwashing verhindern. Wir dürfen seriöse Nachhaltigkeitskommunikation nicht unmöglich machen.“ Der Verband befürchtet eine Abmahnwelle. Winzer müssen ihre Websites und Social Media-Auftritte auf Aussagen zur Nachhaltigkeit und Umwelt überprüfen. Solche Aussagen müssen bewiesen werden.
Pflanzenschutz stärken – Wirkstoffe erhalten
Der Weinbau hat seine Pflanzenschutzmittelanwendungen bereits deutlich reduziert und wird das weiter tun, wo möglich. Aber ganz auf Pflanzenschutz verzichten, geht nicht. Gleichzeitig kommen durch Klimawandel und internationale Warenströme neue Schädlinge hinzu. Vielmehr braucht es die effektive und schnelle Zulassung neuer wirksamer Pflanzenschutzmittel. Reduktionsvorgaben ohne verfügbare Alternativen lehnt der DWV ab und fordert auf EU-Ebene die Zulassung von Kaliumphosphonat im Öko-Weinbau. Bei der Amerikanischen Rebzikade sind konsequentes Monitoring, die Kontrolle des Rebpflanzguts, Heißwasserbehandlung und geeignete Pflanzenschutzmittel erforderlich. Zugleich müsse die Finanzierung der durch Flavescence dorée entstehenden Schäden geklärt werden.
Wirtschaftliche Belastungen verhindern
Schaumweinsteuer, Erbschaftssteuer und weitere drohende Steuerbelastungen sind politische Diskussionen, die zu weiteren wirtschaftlichen Belastung der Weinbaubetriebe führen. Aus Verbandsperspektive sind zusätzliche Steuern, die mit vordergründigen Gesundheitsargumenten gerechtfertigt werden, nicht geeignet, um den Bundeshaushalt zu konsolidieren. Vielmehr braucht es Maßnahmen, wie die Anpassung des Mindestlohnes entsprechend des Rechtsgutachtens im Rahmen einer Verbändeallianz, um die Betriebe zu entlasten.
Dr. Matthias Corvers, Inhaber des Weinguts Dr. Corvers-Kauter und Mitglied im Verband Deutscher Weinexporteure e.V. sowie Philipp Corvers, Weingut Dr. Corvers-Kauter ergänzten den Ausblick auf den bevorstehenden Herbst mit ihrer regionalen Perspektive. Sie rechnen mit dem Lesebeginn Anfang September. bs