Wichtige Infos zur Lese gab es als Web-Seminar

RHEINHESSEN

© Philipp Rüger
Am 27. August 2020 fanden sich die Winzer zur Herbstversammlung Rheinhessen, anstatt wie sonst in Nieder-Olm, dieses Jahr zum Web-Seminar im virtuellen Raum ein. Das DLR RNH, Standort Oppenheim wurde dabei technisch vom DLR Mosel unterstützt und mit einem reibungslosen Ablauf und am Ende durch zufriedene Teilnehmer belohnt. Das Web-Seminar startete mit einem Jahresrückblick von Dr. Bernd Prior, stellvertretender Leiter des DLR in Oppenheim. Pünktlich zu den Eisheiligen gab es lokal Frostschaden, vor allem entlang des Rheins. In den letzten Wochen seien teils starke Sonnenbrandschäden an Trauben zu beklagen. Die lokal verzettelte Blüte spiegele sich nun in den Mostgewichten. Teilweise sei starker Oidiumbefall festzustellen, auch gebe es erhebliche Ausfälle durch Esca. Der Trockenstress entscheide nun über den Reifeverlauf und Lesestart. Rote Rebsorten sind wegen der Gefahr durch die Kirschessigfliege ständig zu kontrollieren und eventuell vorzeitig zu lesen. Von einem Insektizideinsatz rät Dr. Prior zum jetzigen Zeitpunkt ab. Oenologisch vergleicht Jörg Weiand, DLR RNH, den bevorstehenden Jahrgang in Anbetracht der aktuellen Reifemessungen mit dem 2017er. Viele Rebsorten hätten die QW Grenze erreicht. Sehr frühe Sorten wie Regent und Traubensaft werden bereits gelesen. Dornfelder habe noch nicht überall 68 °Oe.
Bei starkem Befall Trauben entfernen
Dominik Süß, DLR RNH, rät bei starkem Oidiumbefall die Trauben zu selektieren, weil der entstehende Muffton im Keller schwer zu beseitigen sei. Der Einsatz von Kohle ist bei Rotweinsorten im Most erlaubt, im Weinstadium nicht. Bei Weißwein darf Kohle verwendet werden. Auch bei sehr starkem Sonnenbrand ist eine Selektion der Trauben überlegenswert, um Phenole und einen unharmonischen sensorischen Eindruck zu mildern. Beim Traubensaft erinnert Süß daran, dass seit letztem Jahr die Nährwertdeklaration Pflicht ist. Um alkohollastige Weine zu vermeiden, raten die Oenologen zu früher Lese oder Hefen mit geringerer Alkoholausbeute. Durch den Einsatz einer hydrophoben Membran ist eine Reduktion von 3,5 Vol-% möglich. bs