Zukunftsweisende Produkte und Initiativen

© Zukunftsweine
Preis für Nachhaltigkeit 2023
Beim elften Wettbewerb um den Preis für Nachhaltigkeit zeichnete die Jury erstmals in allen vier Kategorien Produkte und Entwicklungen aus, die das nachhaltige Wirtschaften im Weinbau weiter vorantreiben. Dabei reichen die Ideen vom insektenfreundlichen Pflanzenschutz über die Glasflasche bis hin zum zukunftsweisenden Marketing. Die Auszeichnung der vier Sieger findet bei der Eröffnung der Geräte- und Maschinenausstellung der AgrarWinterTage in Mainz-Hechtsheim statt.
Der vor elf Jahren gestartete Wettbewerb um den Preis für Nachhaltigkeit konnte in diesem Jahr einen weiteren Meilenstein verzeichnen. Die zehnköpfige Jury freute sich über die Qualität der eingereichten Bewerbungen und konnte erstmals in jeder der Kategorien Weinbau, Oenologie, Marketing und der offenen Kategorie je ein Produkt oder eine Entwicklung auszeichnen.
Kategorie Weinbau: Check Mate Puffer von Biofa, Münsingen
Als wegweisend für einen insektenfreundlichen Pflanzenschutz würdigte die Jury den Check Mate Puffer der Firma Biofa GmbH, der nützliche Insekten schont und gezielt gegen den Hauptschädling der Reben wirkt. Dabei handelt es sich um einen Aerosol-Dispenser, der den einbindigen und bekreuzten Traubenwickler mittels Sexuallockstoff verwirrt und damit ausschaltet. Der Puffer wird zu Saisonbeginn ausgehängt und aktiviert. Er arbeitet selbstbständig im 12-Stunden-Modus. Pro Hektar werden nach derzeitigen Angaben lediglich 2,5 Puffer benötigt. Der Check Mate Puffer befindet sich derzeit noch in der finalen Testphase durch die DLRs.
Die Besonderheit im Vergleich zu den bislang üblichen Pheromon-Ampullen, die engmaschig und mit einem hohen Arbeitsaufwand in den Rebzeilen ausgehängt werden, ist, dass er als Dispenser in einer geringen Stückzahl pro Hektar eine vergleichbare Leistung übernimmt und nach der Pflanzenschutzphase sogar teilweise der Wiederverwendung zugeführt werden kann. Dafür wird insgesamt weniger Kunststoff in der Produktion benötigt und Plastikmüll in den Weinbergen vermieden. Also ein deutliches Plus beim Arbeitsaufwand und dazu teilweise recyc­lingfähig. Die Puffer werden am Ende der Saison vom Hersteller zurückgenommen und teilweise wiederverwertet. Mehr Infos: www.biofa-profi.de
Kategorie Oenologie: Eco2Bottle von Wiegand-Glas, Flaschengroßhandel Reis, Neustadt
In der Kategorie Oenologie sprach sich die Jury für die gewichtsreduzierten Glas­flaschen aus der Serie Eco2Bottle der Glashütte Wiegand-Glas aus, die vom Flaschengroßhandel Reis aus Neustadt-­Lachen-Speyerdorf eingereicht wurden. Die Glasflasche ist nach wie vor die gängigste Verpackung für Wein, verursacht aber gleichzeitig in der Produktion mehr als ein Drittel der CO2-Emissionen einer Flasche Wein. Und genau da setzt die Glashütte in der Produktion der Eco2Bottle an. Zum Beheizen der Glaswannen wird Methangas aus Siedlungsabfällen und Ökostrom eingesetzt, sodass die CO2-­Emissionen für die Flaschen aus der Eco2Bottle-Serie deutlich reduziert sind. Außerdem setzt Wiegand-Glas auf einen hohen Altglas-Anteil – auch bei weißen Flaschen. Und selbst das reduzierte Gewicht erlaubt noch die Mehrwegfähigkeit der Eco2Bottle, was sich wiederum positiv im Handling und der Logistik niederschlägt. Mehr Infos: www.eco2bottle.com
Kategorie Marketing: Marketing­initiative „Zukunftsweine“ der Zukunftsweine GmbH, Mainz
Vielversprechend beurteilte die Jury die Marketing-Initiative „Zukunftsweine" – eine Bewegung für die zukunftsweisende Vermarktung pilzwiderstandsfähiger Rebsorten (PIWIs). Zukunftsweine wurde von den rheinhessischen Winzerinnen Eva Vollmer und Hanneke Schönhals ins Leben gerufen, mit dem erklärten Ziel, die pilzwiderstandsfähigen Rebsorten am Markt, vor allem in Kooperation mit dem Handel bekannt zu machen. Zentraler Bestandteil der Marketing-Initiative ist die Zukunftsweine-Dachmarke und eine ­professionelle Kommunikation zu den Zukunftsreben als zentrale Stellschraube für einen schonenden Pflanzen- und ­Artenschutz. Die Initiative wurde vor kurzem bereits mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2023 ausgezeichnet. Mehr Infos: www.zukunftsweine.de
Offene Kategorie: Trägerband­recycling der Firma Krämer Druck, Bernkastel-Kues
Die Firma Krämer Druck überzeugte die Jury mit ihrer Bewerbung zum Recycling der Etiketten-Trägerbänder. Das Trägermaterial für Selbstklebe-Etiketten verursacht in den Weingütern immense Mengen an Abfall. Und da es sich um beschichtetes Material handelt, müsste dieser im Restmüll entsorgt werden. Krämer Druck stellt den Betrieben kostenlos Rücktransportkartons auf entsprechenden Halb­paletten für die Trägerbänder zur Verfügung, sodass der Arbeitsaufwand für die Weiterverwertung beziehungsweise Rückführung des Abfallprodukts effizient gehalten wird. Die Kunden tragen lediglich die Rückversandkosten. Nach dem Versand führt Krämer Druck die Bänder sortenrein dem Recyclingkreislauf für spezielle Papiere, zum Beispiel für Magazine, und somit weiteren Recyclingkreisläufen zu. Pro Tonne Trägerband können laut Krämer Druck ­13 Bäume gerettet werden. Mehr Infos: www.kraemer-druck.de
Zukunftsweisende Produkte, Projekte und Initiativen in der Weinwirtschaft
Bei allen vier Auszeichnungen handelt es sich, so die Jury, um zukunftsweisende Produkte, die Probleme in den Weingütern aufgreifen und plausible Lösungen aufzeigen. Der Wettbewerb um den Preis für Nachhaltigkeit wurde 2012 erstmals auf Initiative des Rheinhessenwein e.V. zusammen mit dem Verein Ehemaliger Fachschüler Oppenheim (VEO) und dem DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück durchgeführt. Die Jury ist besetzt mit Spezialisten aus der Forschung, dem Versuch­swesen, der Lehre und der Praxis. Die Beur­teilung der Bewerbungen berücksichtigt immer Aspekte der Praxistauglichkeit und schließt erste Praxiserfahrungen anhand von aussagekräftigen Referenzen ein.