Erfolgreich agieren auf den Märkten von morgen

PFALZ

Foto: Bettina Siée
Am 16. und 17. Januar 2024 fanden im Saalbau in Neustadt an der Weinstraße die 77. Pfälzischen Weinbautage statt. Die fachlichen Vorträge widmeten sich den Herausforderungen des Marktes und den ambitionierten Zielsetzungen für einen reduzierten Pflanzenschutz im Weinbau. Große Aufmerksamkeit der rund 2.000 Besucher erhielt der Fachbereich Rebschutz – nicht zuletzt wegen des Sachkundenachweises.
Schrumpfender Markt trifft auf steigende Kosten
Im Rahmen des Großen Pfälzischen Weinbautages fand auch die Jahreshauptversammlung des Weinbauverbandes Pfalz im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd statt. Dabei standen weinbaupolitische Themen und der Weinmarkt im Fokus. Ein schrumpfender Weinmarkt in Deutschland mit Verbrauchern, deren Zahlungsbereitschaft sinkt, trifft auf steigende Kosten durch Inflation und politische Entscheidungen.
„Niedrige Fassweinpreise sowie Krisendestillation und Rodungsprämien in europäischen Nachbarländern verunsichern die Weinbranche“, sagte Stephan Schindler, Vizepräsident des Weinbauverbandes Pfalz. Jedes Jahr stellen sich die Winzer auf die jeweilige Witterung ein, aber zudem ändere sich ständig die Politik und die Branche wisse nicht wie, klagte die pfälzische Weinkönigin Charlotte Weihl im Namen der jungen Generation.
Reinhold Hörner, Präsident des Weinbauverbandes Pfalz, freut sich über den Zusammenhalt im Berufsstand von den Tierhaltern, Ackerbauern bis zu den Obst-, Gemüse- und Weinbauern. Alle demonstrieren gemeinsam gegen die Steuer­erhöhung beim Agrardiesel, die zu Wettbewerbsverzerrungen in der EU führt. Laut Hörner geht es auch um Anfeindungen der Naturschutzverbände und unüberlegtes Handeln der Regierung, was zu praxisfremden Verordnungen führt. Die Medien verbreiten, häufig aus Unkenntnis, Halbwahrheiten zur Landwirtschaft. „Ignoranz, Überheblichkeit, Ideologie und Nichtwissen prägen den neuen Politikstil“, so Reinhold Hörner.
Der Handel habe bereits Mitte August die Fassweinpreise „heruntergeredet“, was immensen wirtschaftlichen Schaden brachte. Der ab 10. August einsetzende Dauerregen brachte viel Fäulnis, sodass Selektionsarbeit nötig wurde. In kürzester Zeit musste geerntet werden, sodass alle an die Grenzen der Belastbarkeit kamen. Während die Erzeugungskosten gestiegen sind, gingen die Fassweinpreise für Müller-­Thurgau, Silvaner, Kerner, Portugieser und Dornfelder um 20 Cent/Liter im Vergleich zum Vorjahr zurück. Für Sauvignon blanc und Burgundersorten werde 50 Cent/Liter weniger gezahlt.
Zu den aktuell beschlossenen Steuererhöhungen beim Agrardiesel kommen die Erhöhung des CO2-Preises, der gestiegene Mindestlohn und die Mauterhöhung. Die Zulieferer werden diese Kosten weitergeben müssen. Hörner warnt: „Um 25 % erhöhte Erzeugungskosten bei Fassweinbetrieben und 20 % weniger Ertrag, das halten viele Betriebe nicht mehrere Jahre durch.“
Kompromiss bei Rebsortenliste
Hörner sagte, dass sich die Schutzgemeinschaft Pfalz in ihrer letzten Sitzung nach langjährigen Diskussionen bei der Rebsortenliste, die der Bundesgesetzgeber ab der Ernte 2025 fordert, auf einen Kompromiss geeinigt habe. Als Lagenweine dürfen in den Verkauf kommen: Riesling, Grau- und Weißburgunder, Chardonnay, Spätburgunder, auf Wunsch der Vereinigung der pfälzischen Winzergenossenschaften Dornfelder und auf Wunsch des Kellereiverbandes Gewürztraminer sowie alle Süßweine ab Beerenauslese aufwärts mit Nennung der Rebsorte.
Die Regelungen für das Erste und Große Gewächs stehen noch aus, hierzu möchte Hörner das Ergebnis des deutschen Weinbauverbandes abwarten. Dringende Fragen sind nun die nachhaltige Finanzierung der Schutzgemeinschaft, das Thema Nachhaltigkeit und die Profilierung der Pfalz.
Goldene Kammermedaille für Hörner
Es war Hörners 50. Pfälzischer Weinbautag. Das nahm LWK-­Präsident Ökonomierat Michael Horper zum Anlass, das langjährige Engagement Hörners für den Berufsstand mit der Gol­denen Kammermedaille zu ehren.
Perspektiven für einen zukunftsfähigen Weinbau
Die rheinland-pfälzische Weinbauministerin Daniela Schmitt dankte für die friedlichen Demonstrationen, für die sie Verständnis habe. Die Hausaufgaben müssten in Berlin gemacht werden. Es gehe um Planungssicherheit, Wertschätzung und das Dorfleben. „Wir wollen eine Reduktion von Pflanzenschutzmitteln nicht über Verbote erzwingen, sondern über Innovation, Kooperation und Effizienz erreichen“, so Schmitt. Sie setze sich für pragmatische Lösungen ein.
Der Deutsche Weinbaupräsident Klaus Schneider forderte, von der ideologisierten Politik wegzukommen und auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende Entscheidungen zu treffen. Die Branche brauche Verlässlichkeit. „Wir stehen im Fokus der Gesellschaft, haben Kontakt zu unseren Kunden und müssen auf Wünsche eingehen, aber auch erklären, was nicht möglich ist“, so Schneider.
Eine Podiumsrunde, moderiert von Werner Eckert, Leiter der SWR-Redaktion Umwelt und Ernährung, befasste sich mit der Herkunftsprofilierung der Pfalz. Es diskutierten Joseph Greilinger von der Pfalzwein, Dr. Bastian Klohr von der Vereinigung Pfälzer Winzergenossenschaften, Marius Meyer vom Forum Pfalz, Peter Rotthaus vom Bundesverband der Deutschen Weinkellereien und Clemens Gerke, Chefredakteur der Zeitschrift Weinwirtschaft. „Herkünfte haben wir, aber kein gewachsenes Profil“, waren sich alle einig. Das System sei übergestülpt und müsse mit Leben gefüllt werden. bs