Seit 35 Jahren kämpft Vinissima Frauen & Wein e.V. für mehr Sichtbarkeit von Frauen in der Weinbranche. Beim Jubiläum in Berlin diskutierten über 130 Weinfachfrauen, anlässlich des jährlichen Netzwerkwochenendes, über Gleichstellung und Verantwortung in bewegten Zeiten. Die Bundestagspräsidentin Julia Klöckner betonte die gesellschaftliche Bedeutung des Netzwerks.
Barbara Wanner, eine der sieben Vinissima-Gründerinnen und CEO bei Organize Communications, nutzte ihre Keynote für eine Bestandsaufnahme. Vieles habe sich verbessert: „Mehr Frauen übernehmen die Betriebsnachfolge, wir haben Sommelièren auf Weltniveau.“ Aber Gleichstellung sei längst nicht erreicht. Gerade die aktuelle Zeit – von multiplen Krisen geprägt – sei für Frauen eine Gefahr, in alte Muster zurückzufallen. „Wir als Vinissima müssen stärker werden und feministischer sein denn je.“
Nicht reden, sondern machen
Wie stark das Netzwerk ist, betonte Bundestagspräsidentin und langjährige Vinissima Julia Klöckner beim Galadinner: „Es ist großartig, dass sich Frauen aus unterschiedlichen Gewerken – von der Winzerin über die Sommelière, Händlerin, PR-Fachfrau bis zur Wissenschaftlerin zusammentun. Nicht reden, sondern machen.“
„Wir hatten eine Vision und konkrete Vorstellungen, wie es laufen soll“, erinnert sich Journalistin und Gründerin Beate Schindler. „Niemals hätten wir jedoch gedacht, dass es einmal fast 700 Frauen werden.“ Wie wichtig Visionen sind, verdeutlichte Melanie Broyé-Engelkes, Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts (DWI). Zum Erfolg gehören auch Rückschläge, man finde zu sich und könne Neues entwickeln, erzählte sie mit Bezügen zur eigenen Biografie. „Mit Leidenschaft kannst Du Berge versetzen“, sagte sie. Ihr Ziel: Mit neuen Kommunikationsstrategien Anteile am heimischen Markt, später auch im Ausland gewinnen. Dabei dürfe es nicht über Kampfpreise gehen. Sie hat im Luxussegment gearbeitet. „Das ist emotional, es geht nicht um den Preis. Die deutsche Weinbranche darf sich nicht unter Wert verkaufen.“
Mehr Frauen in Gremien
Die aus der Pfalz stammende SPD-Bundestagsabgeordnete und Vinissima-Mitglied Isabel Mackensen-Geis, die auch Teil des Parlamentarischen Weinforums ist, betonte, dass die Politik handeln müsse: „Und leider ist es nicht selbstverständlich, dass auf Veranstaltungen der Bundesregierung deutscher Wein ausgeschenkt wird.“ Susanne Schulze Bockeloh, Vizepräsidentin des Deutschen Bauernverbandes, betonte die Bedeutung von Frauen in Gremien des Berufsstandes. Gemeinsam mit sieben weiteren Verbänden haben der Deutsche Bauernverband und Vinissima anlässlich des UN-Jahres der Frauen in der Landwirtschaft dieses Jahr ein Positionspapier herausgegeben.
Prof. Dr. Sabine Rau, Spezialgebiet Familienunternehmen, erklärte, dass Krisen als Chance begriffen werden sollten – auch in Familienunternehmen. Dann stand Weinbau in Brandenburg im Fokus, mit einer Verkostung, die das Potenzial Brandenburgs aufzeigte. red