Gewässer- und Pflanzenschutz – (k)ein Widerspruch?

Foto: Industrieverband Agrar e.V.
Beim gemeinsamen Gewässerschutzsymposium der DEULA Rheinland-Pfalz GmbH und des Industrieverbands Agrar e.V. (IVA) in Bad Kreuznach setzten sich rund 50 Teilnehmende mit der Frage auseinander, wie sich agrarnahe Gewässer am besten vor Pflanzenschutzmittel-Einträgen schützen lassen. Denn Pflanzenschutzmittel können bei zu hohen Konzentrationen negative Einflüsse auf aquatische Lebewesen haben und auch die Wirkstoff-Zulassung kann dadurch bedroht sein. Für viele Kulturen gibt es kaum noch zugelassene Wirkstoffe, sodass ein geeignetes Resistenzmanagement teilweise nicht mehr möglich ist (Engpass-Analyse auf https://www.pflanzenschutz-information.de/).
Theoretischer Teil zum Gewässerschutz
Rechtliche Rahmenbedingungen der Pflanzenschutzmittel-Zulassung waren eines der Schwerpunktthemen des Symposiums. Dr. Sophia Müllner vom IVA erläuterte, wie Pflanzenschutzmittel zugelassen werden, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen und welche Grenzwerte im Gewässer zu beachten sind.
Dr. Christine Tisch vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz, berichtete über die Gewässerbelastung in Rheinland-Pfalz. Da das Bundesland stark weinbaugeprägt ist, befasste sich ihr Vortrag mit den Einträgen weinbaurelevanter Pflanzenschutzmittel, die im Rahmen des Kleingewässermonitorings gemessen wurden und deren Einordnung. Langjährige Pflanzenschutzmittel-Analysen an Kläranlagenausläufen haben gezeigt, dass Einträge, die auf den Höfen selbst entstehen, eine große Rolle spielen.
Reinigung spielt generell eine zentrale Rolle
Zur Vermeidung dieser Einträge können spezielle Reinigungsplätze und eine gute Reinigungspraxis der Pflanzenschutzgeräte einen positiven Beitrag leisten. Eine Außenreinigung der Geräte sollte gemäß der guten fachlichen Praxis im Pflanzenschutz entweder auf einer Anwendungsfläche oder, falls vorhanden, auf speziellen Reinigungsplätzen erfolgen, auf denen das anfallende Reinigungswasser aufgefangen wird. Das gesammelte Wasser kann dann über Systeme wie das Phytobac aufgereinigt werden. Dabei wird das Wasser bedarfsorientiert in große Behälter geleitet, welche mit Substrat befüllt und mit Pflanzen bewachsen sind. Die mikrobielle Aktivität im Substrat fördert den Abbau der Wirkstoffe, während durch Evaporation und Transpiration des Pflanzenbewuchses das Wasser verdunstet.
Da sich Kupfer nicht abbaut und daher in der Umwelt anreichert (akkumuliert), empfiehlt sich im ökologischen Anbau das System RemDry. Dabei handelt es sich um ein überdachtes Becken, das mit einer Plane ausgelegt ist. Das Reinigungswasser wird in das Becken geleitet und verdunstet, während die festen Bestandteile der Pflanzenschutzmittel auf der Folie zurückbleiben und mit ihr entsorgt werden. Wichtig ist zudem die Innenreinigung der Pflanzenschutzgeräte, die vor Ende jeder Fahrt durchgeführt werden sollte, um ein Austropfen der Spritzbrühe auf befestigten Wegen und somit ein Abfließen in nahegelegene Gewässer zu vermeiden. Besonders hilfreich ist dafür die kontinuierliche Innenreinigung. Wie sie funktioniert, zeigte Jonas Borkowski von der DEULA anhand einer „gläsernen Spritze“, einem durchsichtigen Spritztank, der mittels Closed-Transfer-System (System zur Vermeidung von Verschütten und zum Schutz der Anwendenden) mit gefärbtem Wasser befüllt wurde.
Florian Jenner, ein Vertreter der Bayer CropScience Deutschland GmbH, ging in seinem Vortrag auf weitere Eintragswege, wie dem Run-Off, einem Ablaufen der Pflanzenschutzmittel von der Fläche in agrarnahe Gewässer, ein. Außerdem erläuterte er, wie das Online-Tool GeoBox-Viewer vom DLR RLP den Gewässerschutz in der Landwirtschaft unterstützen kann.
Theorie durch praktische Demos ergänzt
Die Unternehmen Horsch Maschinen GmbH und Amazonen Werke H. Dreyer SE & Co. KG, Hersteller von Pflanzenschutz-Geräten, erläuterten insbesondere den Beitrag des Spritzabstands, der Randdüsen und Düsenwahl an sich sowie Applikationskarten, Teilbreitenabschaltung und Präzisionsapplikation zum Gewässerschutz. Die theoretischen Vorträge wurden durch Demonstrationen am Gerät ergänzt.
Auch Möglichkeiten der Drohnen-Nutzung wurden durch Vertreter des Unternehmens CopterPro GmbH erläutert. Es wurde gezeigt, wie mittels Kamerasystemen Gewässer erfasst werden können, aber auch, welchen Mehrwert Drohnen im Vergleich zu Helikoptern in Steillagen leisten können.
Die Grundlage des Gewässerschutzes ist stets die gute fachliche Praxis: Prognosemodelle nutzen, Windgeschwindigkeit beachten, Fahrtgeschwindigkeit anpassen und nach jedem Spritzvorgang eine (kontinuierliche) Innenreinigung, sowie Einhaltung und Pflege von Gewässerrandstreifen. Vieles kann durch Technik erleichtert werden, bei anderem bedarf es vor allem eines guten Bewusstseins für Risiken. Darüber hinaus ist es wichtig, die Praxis immer wieder kontinuierlich für die Risiken zu sensibilisieren und über Risikominderungsmaßnahmen zu informieren.