Klare Erwartungen an die europäische Weinpolitik

Branchentreff der Weinwirtschaft in Trier

Foto: IHK
Vertreter der Weinwirtschaft aus Deutschland und Luxemburg diskutierten beim Branchentreff der Weinwirtschaft 2026 in Trier über die Zukunft des europäischen Weinsektors. Im Mittelpunkt der Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier und des Bundes­verbandes der Deutschen Weinkellereien standen die Auswirkungen der europäischen Weinpolitik auf Wettbewerbsfähigkeit, Marktstabilisierung und Bürokratieabbau. Branchenvertreter, Politiker sowie Fachleute aus Wirtschaft und Verwaltung trafen sich, darunter EU-Kommissar Christophe Hansen, Dr. Wolfgang Löhe vom Bundeslandwirtschaftsministerium und die rheinland-­pfälzische Weinbauministerin Christine Schneider.
EU-Weinpaket zügig und praxisgerecht umsetzen
Thomas Loosen, Vorsitzender des IHK-Weinausschusses, erklärte, dass sich die Weinwirtschaft in einer Phase tiefgreifender Veränderungen befindet. Steigende Kosten, rückläufige Absatzmengen, veränderte Konsumgewohnheiten, Unsicherheiten auf wichtigen Exportmärkten sowie eine zunehmende Regulierungsdichte stellen die Unternehmen vor große Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund bewerteten die Teilnehmer das EU-Weinpaket positiv.
Die vorgesehenen Maßnahmen zur Marktstabilisierung, die stärkere Förderung klimabezogener Investitionen, die Harmonisierung von Kennzeichnungsvorschriften sowie die Schaffung klarer Regeln für alkoholfreie und alkoholreduzierte Weinerzeugnisse werden als wichtig erachtet. Die Umsetzung der geplanten Maßnahmen müsste zügig und praxisgerecht erfolgen.
In der Diskussionsrunde standen die Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2027, die Weinförderprogramme sowie die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Weinwirtschaft im Mittelpunkt. Die Branche fordert den Erhalt eines eigenständigen Weinbudgets auf EU-Ebene und warnte vor einer Zersplitterung der Förderinstrumente in den Mitgliedstaaten.
Weitere Themen waren die Förderung innovativer und alkoholfreier Weinerzeugnisse, die Zukunft der Absatzförderung auf internationalen Märkten, der Weintourismus sowie der zunehmende Bürokratieaufwand durch europäische und nationale Regulierungen.
Die Vertreter der Weinwirtschaft forderten mehr Flexibilität, bürokratiearme Genehmigungs- und Förderverfahren sowie eine Vereinfachung von Dokumentations- und Kennzeichnungspflichten.
Die Branche sieht in Handels­abkommen wichtige Chancen für neue Absatzmärkte in Drittstaaten. Gleichzeitig wurden einfachere Förderverfahren zur Unterstützung exportorientierter Unternehmen angemahnt.
Als Fazit des Branchentreffs formulierten die Teilnehmer klare Erwartungen an die EU-­Politik: mehr Flexibilität für Unternehmen, bessere Rahmen­bedingungen für Innovationen, Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit sowie spürbaren Abbau der Regelungsdichte.
Johannes Hübinger verabschiedete sich emotional von seinem langjährigen Amt als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Weinkellereien. IHK Trier