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NAHE

Politik in Bad Kreuznach

Foto: Norbert Krupp
„Die allgemeinen Diffamierungen der Landwirtschaft dürfen wir nicht unwidersprochen hinnehmen“, sagte Dr. Thomas Höfer, Weinbaupräsident der Nahe. Bei der Tagung von Kreisbauern- und Winzerverband an Nahe und Glan sowie Weinbauverband Nahe stellte sich Höfer schützend vor seine Berufskollegen. Wenn Bauern und Winzer nicht unterwegs wären, um Wiesen, Felder und Weinberge zu pflegen, sähe die Landschaft nicht so schön aus. Der Weinjahrgang 2017 habe eine Minderernte von 20 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt gebracht – rund 260 000 Hektoliter an der Nahe. Damit ließen sich die Regale des Einzelhandels nicht füllen: „Wir verlieren Regalmeter“, stellte Höfer bedauernd fest. Der Weinbaupräsident lobte die Initiative des Landes für die Entwicklung einer Weinmarktstrategie, die es im Blick habe, den Fassweinmarkt zu verbessern. „Wir produzieren hervorragende Weine und die müssen wir so auf dem Markt platzieren, dass wir davon leben können“, forderte Höfer, der das neue Weinbezeichnungsrecht und dessen Gestaltung durch regionale Schutzgemeinschaften begrüßt. Ziel müsse es sein, dem Kunden am Weinregal die Orientierung zu erleichtern.
 
Dachmarke für die Nahe?
Höfer zeigte sich zuversichtlich, dass es unter Vermittlung von Landrat a.D. Franz-Josef Diel zu einem Zusammenschluss der an der Nahe wichtigen Institutionen Weinland Nahe, Weinbauverband, SooNahe und Naheland Touristik unter einer Dachmarke kommen könnte. Beim Thema Digitalisierung unterstützen die Landwirtschaftskammer und das DLR die Winzer an der Nahe. Es müsse eine integrative Software erstellt werden, auf der alle Formulare aufbauen. Die Düngeverordnung bewertete Höfer als leidiges Thema: „Sie muss handhabbar sein. Wir brauchen Unterstützung zur Entlastung unserer Betriebe“, forderte er. Auch das neue Anpflanzrecht berge enorme bürokratische Hürden, weil es mehrere Behördentermine erfordere, um den Rodungszustand von Flächen zu ermitteln. Zuvor hatte Johannes Thilmann, der Kreisvorsitzende des Bauern- und Winzerverbandes an Nahe und Glan, Missstände angeprangert. Der Wust von Vorschriften sei umfangreich und nicht schlüssig. „Winzer sind auf das Wohlwollen von Prüfern angewiesen“, so der Vorsitzende, der sich in der politischen Diskussion mehr Sachverstand anstelle von Emotionen wünscht.
 
Düngeverordnung,  Digitalisierung und doofes Wetter
Andy Becht, Staatssekretär im Weinbauministerium Mainz, erinnerte an das Jahr der drei D – Düngung, Digitalisierung und doofes Wetter. Doch bei allen Themen versuchen DLR und Kreisverwaltungen die Winzer zu unterstützen. Das DLR Bad Kreuz- nach fungiere als Zentrum der Digitalisierung, die hier entwickelte Geo-Box werde von allen Bundesländern als zentrale Datenschnittstelle weiterverfolgt. Das neue Weinbezeichnungsrecht sei Beweis dafür, dass ein Europa der Regionen funktionieren und den Verbänden mehr Eigenverantwortung bringen könne. Hans Willi Knodel dankte dem Team des DLR für die Vorbereitung der 62. Kreuznacher Wintertagung. Die „Dachmarke für die Nahe“ könne künftig wichtige Impulse geben: „Wir müssen uns als eine Einheit darstellen", so Knodel. Die Situation der Fassweinwinzer bewertete Knodel als absolut unbefriedigend.   Norbert Krupp