Pressekonferenz zum Weinherbst 2026

NAHE

Foto: Norbert Krupp
„Der trockene und heiße Sommer 2026 hat an der Nahe sehr gute Weinqualitäten bei einer leicht unterdurchschnittlichen Ernte beschert.“ In manchen Gemeinden und Weinlagen seien sehr unterschiedliche Ergebnisse erzielt worden, was mitunter den Begriff „Neidischer Herbst“ in Erinnerung gebracht habe. Das berichtete Präsident Rainer Klöckner bei der Jahrespressekonferenz des Weinbauverbandes Nahe in Meisenheim.
Auf 4.100 ha Rebfläche seien 2026 rund 307.500 hl (30,75 Mio. l) Wein produziert worden, schätzt der Weinbauverband. Das entspreche einem Durchschnittsertrag von rund 75 hl/ha. Das ist weniger als der durchschnittliche Ertrag der 2010er-Jahre, der zwischen 80 und 85 hl liegt. Der Riesling kam etwa auf 60 hl/ha r, während der Müller-Thurgau rund 85 hl und der Dornfelder etwa 80 hl erreichten. In guten Lagen seien Trauben gelesen worden, die sich zum Ausbau von edelsüßen Auslesen empfehlen. Der Weinbauverband erwartet, dass etwa 80 % der Ernte als Qualitätswein und 15 % als Prädikatswein (Kabinett, Spätlese oder Auslese) vermarktet werden.
Präsident Klöckner erinnerte daran, dass die Trauben von rund 600 ha Rebfläche durch die Moselland aufgenommen und verarbeitet werden. Diese gilt inzwischen als größter Vermarkter von Naheweinen. Klöckner geht davon aus, dass bis zum Beginn des Herbstes 2026 alle Fassweine des Vorjahres abgesetzt werden konnten – wenn auch zu absolut unbefriedigenden Preisen. „Die wenigen großen Kellereien, die wir in Deutschland haben, verfügen über eine unglaubliche Marktmacht“, konstatierte er. Der deutsche Weinmarkt leide unter billiger internationaler Konkurrenz und rückläufiges Konsumverhalten, vor allem durch jüngere Menschen, die alles andere als Wein trinken. Zur wirtschaftlichen Lage des Weinbaus an der Nahe führte Klöckner aus, dass das Anbaugebiet zu klein sei, um die von großen Marktpartnern nachgefragten Mengen bereitstellen zu könnten. Er geht davon aus, dass in absehbarer Zeit viele Weinbaubetriebe aufgegeben werden, weil sie nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben sind oder kein Nachfolger gefunden wurde.
Im Weingut Disibodenberg, das knapp 23 ha (rund 55 % Riesling, etwa 45 % Burgunder) bewirtschaftet, wurde 2026 nur halb so viel geerntet wie 2025, einem leicht überdurchschnittlichen Jahrgang. Das berichtete Betriebsleiter Thomas Zens. Die Burgunder-Sorten hätten mengenmäßig katastrophal abgeschnitten und stellenweise nur ein Fünftel des Vorjahresertrags beschert. In weniger gepflegten Weinbergen mit starker Begrünung habe sich der Wassermangel dramatisch ausgewirkt. Norbert Krupp