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FRANKEN

Weinbautage

Foto: LWG Veitshöchheim
Über 600 Winzer aus Franken trafen sich vom 27. bis 28. Februar  in zu den 60. Veitshöchheimer Weinbautagen/ Fränkischen Weinwirtschaftstagen, um über aktuelle weinbauliche Themen aber auch künftige Herausforderungen wie die Biodiversität oder die Einführung des Romanischen Klassifizierungssystems zu diskutieren und Einblicke in die aktuelle weinbauliche Forschungsarbeit der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) zu erhalten.
Weinbau & Biodiversität „Unsere Insekten sind der Dreh- und Angelpunkt für ein funktionierendes Ökosystem“, machte Christian Deppisch, Institut für Weinbau und Oenologie, bei der Vorstellung des Forschungsprojektes „Weinbau 2025“ deutlich. So spricht der Rückgang der Biomasse von fliegenden Insekten in den vergangenen 28 Jahren von nahezu 80 Prozent eine deutliche Sprache. Christian Deppisch zeigte auf, mit welchen Maßnahmen das Leben im Weinberg gefördert und langfristig erhalten werden kann. Insgesamt steht der Weinbau damit vor großen Herausforderungen und einer tief greifenden Veränderung der bisherigen weinbaulichen Strukturen – einer Veränderung, die von der Gesellschaft jedoch mehr und mehr gefordert und mit wachsamen Blicken beobachtet wird. Mit Natur, Eindruck und Gefühl gliedert sich für Dr. Hermann Kolesch, LWG-Präsident, die Weinkulturlandschaft in drei, sich gegenseitig bedingende, Dimensionen. Der Weinberg ist nicht nur Nutzfläche, er ist schützenswerter Lebensraum und Mythos zugleich: So verdient die Weinwirtschaft zwar rund 250 Mio. Euro im Jahr (2017) durch den Weinverkauf, jedoch über 3 Mrd. Euro mit dem Weintourismus. „Die Zeiten, in denen der Kunde auf den Hof kam, nach einer Weinprobe die Kartons in den Kofferraum lud und wieder von dannen fuhr, sind längst vorbei. Die Kunden von heute sind vielmehr auf der Suche nach Heimat, Tradition und Herkunft“, betonte Dr. Kolesch. Nur wem es gelingt den Mythos von Natur und Herkunft authentisch auf den Wein zu übertragen und dies auch im Arbeitsalltag zu leben, wird zu den künftigen Gewinnern in der Branche gehören.
Klimawandel und Wassermangel „Durch den Klimawandel und die damit einhergehende Erderwärmung werden Unwetter mit Hagel wahrscheinlich häufiger auftreten“, prognostizierte Karsten Schwanke von „Wetter vor Acht“ (ARD) den Winzern. Der Klimawandel ist Realität. In knapp 100 Jahren könnte in Franken ein mediterranes Klima, wie wir es von Spanien oder Italien kennen, herrschen. Die Auswirkung auf die Vegetation sei dabei aber bei Weitem nicht abschätzbar. Der Norden von Bayern leidet schon jetzt verstärkt unter Trockenheit in den warmen Sommermonaten. Mit einem geringen Jahresniederschlag sowie einer schlechten Wasserspeicherfähigkeit der größtenteils flachgründigen Muschelkalk-, Buntsandstein- und Keuperböden wird die Trockenheit durch einen unzureichenden Zugriff auf das Wasser weiter verschärft. Somit wird es künftig wichtiger denn je, das in den heißen Monaten das verfügbare Wasser effektiv einzusetzen. Neben Speicherlösungen und Tröpfchenbewässerung setzt Dr. Daniel Heßdörfer vom Institut für Weinbau und Oenologie dafür auf Drohnen. Ausgestattet mit modernster Messtechnik, erfassen sie die akute Trockenstresssituation der Weinstöcke. „Das Credo für uns lautet, den Weinstock erst dann mit Wasser zu versorgen, wenn der Stock – nicht der Winzer – unter Trockenstress leidet“, so Dr. Heßdörfer. Mittels Thermalanalyse wird dafür der Temperaturgradient in der Laubwand gemessen.
Wird „Grand Cru“   das neue Oechsle? Mit dem EU-weiten geplanten Wechsel zum Romanischen Klassifizierungssystem steht künftig für den Weinbau nicht mehr das in Oechsle gemessene Mostgewicht, sondern vielmehr mit der Angabe zur Lage die Herkunft des Weines im Mittelpunkt. Als erste neue geschützte Ursprungsbezeichnung für Wein in Deutschland wurde der Bürgstädter Berg (Landkreis Miltenberg) 2017 erfolgreich in das europäische Herkunftsregister eingetragen.
Weingenuss mit Stil Johannes Burkert, Oenologe des LWG-Weinbauversuchsbetriebes, stellte anschaulich dar, an welchen Stellschrauben der Gärführung gedreht werden kann, um die Weinstilistik gezielt zu beeinflussen. Bei einer abschließenden Lehrweinprobe mit fränkischen, nationalen aber auch internationalen Weinen aus renommierten Häusern und Anbaugebieten, wurden schließlich die theoretischen Ansätze der Weinstilistik in der Praxis diskutiert. lwg