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Mosel

Weinbautage an der Mosel

Foto: Bettina Siée
 Anlässlich der Weinbautage in Bernkastel-Kues blickte Rolf Haxel, Präsident des Weinbauverbandes Mosel, zurück auf das Jahr 2017, das wieder von Extremen gezeichnet war. „2017 gab es mehrere Rekorde: Frühester Lesebeginn seit Menschengedenken und an der Mosel eine historisch niedrige Erntemenge von nur 600 000 hl“, so Haxel. Die gleichmäßige Marktbeschickung sei gefährdet, besonders im Preiseinstiegssegment. Nach der nächsten normalen Ernte werde es schwer, die fehlenden Regalmeter zurückzuerobern. Er begrüßt die Initiative von Weinbauminister Volker Wissing zu einer Marketingstrategie für Weine mit geschützter geografischer Angabe. Bis Sommer 2018 sollen in allen deutschen Weinbaugebieten Schutzgemeinschaften gegründet werden. „Das ist eine gravierende Neuerung, deshalb sollten sich gerade Jungwinzer in die Diskussion einbringen“, sagte Haxel. Es gehe um die Zukunft der Mosel. Die Schutzgemeinschaft g.U. Mosel könne künftig ihre Lastenhefte selbst bestimmen. Ein Satzungsentwurf befinde sich zur juristischen Abstimmung beim Mainzer Ministerium. Haxel hat Gespräche mit Luxemburg und Frankreich geführt, denn er hält ein „Terroir Mosel“ für denkbar. Produktspezifikationen könnten für Crémant festgeschrieben werden, zum Beispiel mit einer Sorte aus jedem der drei Länder. Aber hier seien noch viele Hürden zu nehmen. Die Versuche zum Einsatz von Drohnen, um den Steillagenanbau zu bewahren, verliefen vielversprechend. Der Weinbauverband kämpft gegen ein mögliches Verbot des Hubschraubereinsatzes. Außerdem arbeitet die Mosel an einer Dachmarke. Klaus Schneider, Deutscher Weinbaupräsident, informierte über die Weinbaupolitik. Derzeit stehe das Weinbezeichnungsrecht und die zu gründenden Schutzgemeinschaften im Mittelpunkt. Die vom Berufsstand und den Weinbaupolitikern stets eingeforderte Subsidiarität, hat die EU nun überraschend schnell ermöglicht. Die große Verantwortung, gebietsspezifische Rahmenbedingungen selbst zu wählen, wird direkt an den Berufsstand gegeben. Die Vertreter der Genossenschaften, Winzer und Weinkellereien müssen sich zusammenraufen. Schneider will keine Renationalisierung. Die Agrarpolitik sei in Brüssel gut aufgehoben, aber das Ermöglichen einer Anreicherung, wenn witterungsbedingt notwendig, könne in Berlin entschieden werden. Die Politik müsse für den Schutzstatus des Bezeichnungssystems sorgen. Großlagen sind in der Diskussion. Es könne über einen Regionalwein nachgedacht werden. „Beteiligen Sie sich am Ideenfindungsprozess“ fordert Schneider auf. Weiterer Knackpunkt: „Was machen wir mit Prädikatsweinen?“ Schneider betont, dass ein ganzheitliches, schlüssiges System gebraucht wird. Schneider warb eindringlich für „wine in moderation“. Der Berufsstand braucht einen starken Rückhalt der Winzer, um in Brüssel glaubwürdig zu sein. „Werden Sie Mitglied, es ist kostenlos. Wir alle sehen Wein als Kulturgut und wollen keinen Alkoholmissbrauch“, so der Präsident.
 
Moselprojekt von UN-Dekade ausgezeichnet
Anne Buchsbaum-Sehn, BWV Rheinland-Nassau, stellte das Moselprojekt „Steillagenweinbau schafft Vielfalt“, von 30 Winzern an Mittel- und Terrassenmosel sowie dem Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau vor, dem die Auszeichnung „UN-Dekade Projekt Biologische Vielfalt“ zuerkannt wurde. Staatssekretär Andy Becht vom rheinland-pfälzischen Weinbauministerium, überreichte im Namen der Geschäftsstelle der UN-Dekade, beim Weinbautag in Bernkastel-Kues, die Urkunde und Trophäe. Becht würdigte das Vorhaben als ein Beispiel dafür, wie biologische Vielfalt und Bewirtschaftung im Weinanbaugebiet miteinander harmonieren“. Im Moselprojekt werden seit 2015 von den Winzern Maßnahmen zur Förderung der Arten- und Lebensraumvielfalt umgesetzt. Es werden zwischen Rebzeilen, brachgefallene Flächen und Säume mit regionalen Saatgutmischungen begrünt, sodass eine standorttypische Vegetation als Nahrungsquelle für die hier lebenden Tierarten entsteht. Nisthilfen und Lesesteinhaufen verschaffen Insekten, Vögeln, Eidechsen und anderen Bewohnern der Weinberge zusätzliche Versteck-, Brut- und Überwinterungsräume. bs